Durch Täler und Berge und Wälder und zurück nach Hause– Auszeit-Roadtrip Teil 4

Seit zwei Wochen bin ich nun wieder zuhause! So unwirklich es ist, das zu schreiben, so seltsam und zugleich komplett richtig fühlt es sich an. Nach 14 Wochen und ca. 5.500 km quer durch Deutschland habe ich meine Auszeit beendet und bin heim gefahren. Was ich in den 2 Monaten seit meinem letzten Reisebericht erlebt habe, das erzähle ich euch heute!

Frauke steht während ihrer Auszeit vor einer verspiegelten Weltkugel in Wittenberg.

Regionen

Seit meinem letzten Reisebericht bin ich von Bayern über Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen nach NRW gefahren. Ich fuhr durch Wälder, an Kornfeldern und Stoppelfeldern vorbei. Steigungen in Serpentinen hoch und auch wieder hinunter. (Wobei es gerade bergauf häufig nur im 2. Gang ging, weil mein Auto so wenige PS hat. Das hat die anderen Verkehrsteilnehmer*innen meist mehr gestört als mich 😉 ) Ich sah große Staubwolken hinter Erntefahrzeugen. Ich bewunderte unendlich weite Sonnenblumenfelder und schaute Bienen und Hummeln bei ihrer Arbeit zu.

Blick auf eine lange, kurvige, zweispurige Straße, entlang von Stoppelfeldern.

Es ging über Niederbayern, Lallinger Winkel, Bayerischer Wald inkl. Großer Arbersee, Oberpfalz, Naab, Fränkische Schweiz, Steigerwald, Frankenwald, Saale, Vogtland, Erzgebirge, Mittelsachsen, Elbe, schwarze Elster, Niederlausitz, Fläming, Havelland, Harz, Westfalen und weiter ins Sauerland und Rothaargebirge und dann ins Ruhrgebiet.

Insgesamt liegen etwa 5.500 km hinter mir!

Das Wetter

Es gab wenig Regen und wenn, dann direkt sehr viel in sehr kurzer Zeit plus Gewitter. Doch Mina und ich hatten jedes Mal Glück und saßen im Trockenen. Entweder im Auto oder unterm gespannten Tarp, wenn wir einen festen Campingplatz hatten und der Regen angesagt war. Das Tarp spanne ich in solchen Momenten direkt mit einer eingeplanten Ablauf-Rinne, sodass der Regen sich nicht sammelt, sondern abfließt. Damit haben wir sogar einen Starkregen, der den ziemlich ausgetrockneten Campingplatz überflutete, überstanden, während die ganzen Wohnmobile, Wohnwägen und Vans ihre festmontierten Vordächer frühzeitig abbauen mussten.

Ansonsten haben Mina und ich sehr unter der Hitze gelitten. Es gab Tage, wo ich sogar die Klimaanlage im Auto angemacht habe, anstatt wie sonst alle Fenster runterzukurbeln, wenn wir gefahren sind. Durch die heißen Tage war ich häufiger angespannt und gereizt. Zum Glück hatten wir immer mal wieder schattige Übernachtungsmöglichkeiten. Außerdem kühlte es nachts immer noch ausreichend runter, sodass die Schlaftemperatur ab einer gewissen Uhrzeit mit weit geöffneten Fenstern (inkl. Fliegengittern) angenehm wurde.

(Die Auswirkungen von hohen Temperaturen auf meine Depression habe ich hier bereits einmal beschrieben!)

Blick durch eine Innenstadt. Zwischen den Häuserfassaden sind bunte Lampions aufgehängt.

Leider haben wir nicht so oft, wie ich es mir gewünscht hätte, Badegelegenheiten für Hund und Mensch gefunden. Während das im letzten und vorletzten Jahr in Polen und Tschechien eigentlich gar kein Problem war, mussten wir jetzt häufig aufs Baden verzichten, weil der komplette Bereich für Hunde verboten war und ich dementsprechend Mina nicht alleine am Auto zurück lassen wollte. Wir hatten aber auch zweimal Glück, wo uns die Betreiberinnen des jeweiligen Campingplatzes auf einen Bach oder Fluss in fußläufiger Entfernung aufmerksam gemacht haben, wo wir zu zweit reinkonnten.

Passend zu den letzten Tagen meiner Auszeit kam langsam etwas Herbstfeeling auf. Die Sonne geht immer früher unter und abends wird es merklich kühler. Die Bäume verlieren langsam ihre bunten Blätter und ich konnte bereits durch raschelndes Laub laufen!

Kulinarisches

Genauso, wie schon im letzten Teil meines Auszeit-Reiseberichts, habe ich mich in den letzten Wochen durch die einzelnen Regionen durchprobiert und verschiedenste Essens- und Getränke-Kreationen versucht.

So gab es z. B.: Flash-Iced-Coffee (von Hand aufgebrühter Kaffee, der direkt in eine Kanne mit Eiswürfeln tropft), saure Knödel (eigentlich mit Wurstsalat, doch die Kellnerin bot mir an, die Wurst weg zu lassen und stattdessen geschnittenen Käse dazu zu packen, damit es vegetarisch ist), diverse regionale Biersorten, Heidelbeerlimo, hausgemachtes Blaubeer-Straccietella-Eis, Pfifferling-Omlette mit echt vielen und großen Pfifferlingen, ein Bierschaumsüppchen, eine Kugel Mandarine-Kurkuma-Ingwer-Eis, eine Golatsche (ein Hefeteigdings mit Mohn / siehe nachfolgendes Foto), Bienenstich, Speckfettkuchen (Speckfett = Schmalz / der obere Teil des Kuchens sieht aus wie besagtes Speckfett und generell sind die Zutaten auch eher etwas reichhaltiger was die Kaloriendichte anbelangt), Eierschecke, Schüttelgurken undsoweiterundsofort.

Eine Golatsche. Rundes Hefeteiggebäck mit Mohn

Und ich war endlich in München im Mental-Health-Café „Berg und Mental“! Damals hatte ich die Idee per Crowdfunding unterstützt und wollte seitdem so gerne mal zu einem Kaffee dort vorbei schauen! Nun war endlich die Gelegenheit dazu!

Cafe Berg und Mental in München. Auf einem Holztisch steht ein Apfelcrumble und eine Tasse Cafe. Im Hintergrund ist das Cafe zu sehen.

Tierisches

An einem Morgen schaute ein sehr großer Feldhase zum Frühstück vorbei.

Auf einem Lama-Hof erfreute ich mich an Lamas und Alpakas und an einer Katze, die mich und meine Jacke, meine Picknickdecke und Minas Decke sehr spontan und ohne Vorwarnung anpinkelte.

Bei einem Spaziergang schaute mich ein kleiner Marder neugierig an und in einer Nacht hörte ich einen Uhu rufen.

Auf einem sehr einsam gelegenen Hof stand ich eine Nacht neben dem Pferd von Pipi Langstrumpf.

Außerdem habe ich flauschige Hühner und schnatternde Gänse gesehen.

Ein Turmfalke hat sich nur wenige Meter von mir entfernt auf einen Holzzaun gesetzt und mir ganz stolz sein Abendessen gezeigt. Ich vermute, es war eine Maus.

Auf einem Campingplatz, wo ich zwischen den Dauercampern stand (und das Durchschnittsalter der Camper um ungefähr die Hälfte unterbot), erfuhr ich binnen kürzester Zeit alle Krankheiten der anwesenden Hunde.

An etlichen Orte habe ich die zauberhaftesten Libellen gesehen! Diese Leichtigkeit und die schillernden Farben, toll!

Klar, ich wurde von Mücken zerstochen und hatte neugierige bis aufdringliche Bienen und Wespen an meinem Essen. (In einem Café saßen am Nachbartisch zwei Damen. Eine erzählte sehr stolz, dass sie keine blühenden Pflanzen mehr in ihrem Garten hat. Ihr können Bienen und Wespen gestohlen bleiben. Hummeln sind okay, die sind friedlicher. Aber Bienen und Wespen, nein, die braucht sie nicht.)

Blick von oben auf Fraukes Arm, die Mina krault, während diese auf Fraukes rosa-schwarzem Kopfkissen auf einer Wiese liegt

Kindliches

Mir ist es häufig passiert, dass ich auf einem Campingplatz oder Stellplatz übers Landvergnügen ruckzuck mit einem oder mehreren Kindern im Gespräch war. Die Initiative ging hierbei immer von den Kindern aus und meist war Mina der Anlass.

Ich habe so einige selbstgemalte Bilder oder andere Kleinigkeiten geschenkt bekommen und etliche tolle Nachmittage verbracht. Mittlerweile kann ich ein relativ gutes Rad schlagen. Dafür, dass ich das als Kind gar nicht konnte, bin ich in der Erwachsenen-Version im Vergleich mit anderen Erwachsenen ziemlich weit vorne! Das Fingerspiel „Hase und Jäger“ kann ich immer noch nicht. Dafür kann ich ziemlich viele Kinder (und deren Eltern) beeindrucken, weil ich meine Zeigefinger entgegen gesetzt zu einander drehen kann. Probiert das mal aus 🙂

Ein Mädchen sammelt seit ihrem 2. Geburtstag Stoffmäuse vom schwedischen Möbelhaus. Hiervon wohnen mehrere dutzend bei ihr zuhause. Einige habe ich mit Namen, Charakter und Lebensgeschichte kennengelernt. Mit einer der Mäuse haben wir gepicknickt. Von einer anderen bekam ich ein Stück selbstgemachte Mäuseseife geschenkt.

Blick von oben auf eine Wiese. Eine Kinderhand hält eine weiße Stoffmaus, die aus Minas Napf trinken möchte während Mina auf der anderen Seite vom Napf zuschaut.

Ein anderes Mädchen stellt mir ihren kleinen Hund vor. Er war erst wenige Monate alt und etwas kleiner als Mina. Am allerliebsten isst er Wolken. Also am liebsten würde er Wolken essen, wenn er dran käme.

Von ein paar Kindern habe ich mir etwas abgeschaut: an sehr heißen Tagen ist es total erfrischend, wenn man sich mit einer Sprühflasche absprüht. Herrlich!

Frauke hat sich während ihrer Auszeit mit einer grünen Wassersprühflasche angesprüht.

Meine Einhorn-Haarspange, mit der ich meine Haar hoch klammere, fällt witzigerweise sehr vielen Kindern auf, die dann wiederum ihre Eltern darauf aufmerksam machen. Die Erwachsenen bemerken die Spange nämlich so gut wie nie! Viele Kinder gehen da mit weitaus offeneren Augen durch die Welt.

Zwei Dinge sind mir besonders aufgefallen

1.) Viele Kinder verhalten sich instinktiv ziemlich richtig in Bezug auf Mina. Falls sie sich doch zu stürmisch oder so ihr gegenüber verhalten, haben sie meine Erklärungen sehr gut verstanden und umgesetzt. Es gab wesentlich mehr Erwachsene, die sich Mina gegenüber provokant verhielten und mich darüber in aggressivem Tonfall darüber belehrten, dass ein Hund halt auch bellen MUSS und wie ich überhaupt meinen Hund zu erziehen habe. (Mina ist eine Angstbellerin. Sie bellt, wenn sie Angst hat. Ich habe hier bereits einmal aufgeschrieben, wie ich ihr beim Camping ein sicheres Gefühl geben kann. Doch auf konkretes Provozieren reagiert sie trotzdem mit Bellen. Neben dem direkten auf Mina zugehen, sie dabei mit dem Blick fixieren und sie zum lauten bellen animieren, kam es auch schon vor, dass Menschen (und im speziellen Männer) Mina mit Schnalzgeräuschen ärgern wollten. Einer beobachtete sie schon länger, stellte sich, als sie auf der Picknickdecke eingeschlafen war, in einigen Metern Entfernung hin, starrte sie und an machte so lange laute Geräusche, bis sie aufwachte und ihn anbellte. Er fand das sehr witzig. Mina und ich nicht.)

2.) Viele Kinder stellen sehr kluge Fragen. Wenn man*frau ihnen zuhört und sich auch Zeit nimmt, über diese Fragen nachzudenken und zu beantworten. Es gab einige Situationen, wo ich die gestellten Fragen echt clever fand und die Eltern meinten, die Kinder sollten mich nicht nerven. Ein paar mal wurden die Kinder sogar laufend von ihren Eltern unterbrochen, weil die sich lieber mit mir unterhalten wollten und die Kinder doch eh nur Unsinn reden. Da stellte sich mir die Frage, wer sich hier gerade wie ein „Kind“ und wer wie ein „Erwachsener“ verhält.

Bewegendes

Auf meinem Weg habe ich einige geschichtsträchtige Orte besucht. So war ich z. B. an einer Gedenkstätten eines ehemaligen KZ-Außenlagers Lengenfeld und an der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, wo es so unfassbar viele Kriegsgräber gibt, dass die Namen und Lebens-/Sterbedaten in sehr kleiner Schrift auf vielen Tafeln notiert sind. Diese Momente und Orte haben für mich eine ganz eigene Atmosphäre und stimmen mich nachdenklich. So etwas darf sich nie wieder wiederholen.

Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Blick über eine grüne Wiese mit vielen Gedenktafeln

Ich bin über die ehemalige innerdeutsche Grenze gegangen. In dem Ort Sorge gibt es dazu einen Weg mit Teilstücken vom ehemaligen Grenzzaun, Beobachtungsposten und Erklärungstafeln. Für mich unvorstellbar, wie diese Zeit damals gewesen ist…

Außerdem habe ich mir ein Flüchtlingsboot in Wittenberg angesehen, das dort im Park steht. Laut meiner Internetrecherche ist das Boot 15 m lang bzw. kurz. Im Jahr 2013 sind damit 244 Kinder, Frauen und Männer von Nordafrika nach Europa geflohen. Das Boot soll dort im Park als Mahnmal für mehr Menschlichkeit dienen. Leider ist bereits der obere Aufbau durch Vandalismus zerstört worden. Für mich ist es unfassbar. Alles. Die Lebenssituation der Menschen in ihrer Heimat, dass sie sich auf diesen weiten Weg in diesem kleinen Boot begeben haben. Dieses kleine Boot und so viele Menschen. Eine so weite Überfahrt. Die mutwillige Zerstörung. Die Kommentare dazu auf google maps. Unfassbar.

Besuche

Ich habe eine langjährige Freundin in der Nähe von München und meine Oma in der Nähe von Passau und ein paar andere Menschen besucht. Die liebe Anja hat mich zu sich ins Erzgebirge eingeladen, damit wir uns nach 6 Jahren online-Freundschaft endlich einmal „in echt“ sehen. All diese Zeit lässt sich gar nicht in kurze Worte fassen.

Wie auch bereits in meinen anderen Reiseberichten, waren es so herzliche Besuche, die meine Reise zu einem wichtigen Teil prägen!

Frauke und Anja lachen in die Kamera

Was sonst noch war?

Der Aufsatz von meinem Gaskocher hat nach ca. 12 Jahren des Geist aufgegeben, als ich gerade Abendessen kochen wollte. Zum Glück konnte am nächsten Morgen zu einem Campingausstatter in der Nähe und mir Ersatz kaufen. Ich fuhr etwa 10 min. bis zu einem Feldweg um mir auf einer schattigen Bank einen Kaffee (den ersten dieses besagten Morgens) zu kochen. Wie immer bereitete ich meine Espressokanne vor, stellte sie auf den Gaskocher, packte den Windschutz drumherum und zündete die Flamme an. Nach ein paar Minuten veränderte sich das gleichmäßige Geräusch des Gaskochers. Als ich hinter den Windfang blickte, sah ich den kompletten oberen Bereich des Kochers in Flammen stehen. Der Gas-Regulierhahn hatte bereits angefangen zu schmelzen. Schock. Wie bekommt man auf einem einsamen Feldweg eine brennende Gaskartusche ausgedreht, wenn der Regulierhahn schmilzt und alles in Flammen steht? Äh. Atmen. Äh. Stoffmaske. Doppelt genommen und sehr zügig und konzentriert den Hahn abgedreht. Puh. Glück gehabt! Nachdem ich meine flatternden Nerven eingesammelt hatte und alles abgekühlt war, fuhr ich zurück zum Geschäft. Dort diskutierten dann drei Leute, ob das ein Bedienungsfehler war (äh, NEIN!) oder ein Reklamationsgrund. Den nächsten Kaffee habe ich mir dann direkt auf dem Parkplatz des Campingausstatters gekocht und dabei ist alles gut gegangen.

Ich musste meine Vorderreifen austauschen lassen, weil das Profil runter war. Besonders ärgert mich dabei, dass ich vor der Abfahrt extra zur Inspektion in der Werkstatt war und auf meine geplante Auszeit hingewiesen habe. Bei Abholung meines Autos war mir versichert worden, dass ich damit problemlos durch ganz Deutschland fahren könne. Tja, Pustekuchen. Zum Glück ist nochmal alles gut gegangen: bei einem kräftigen Regenschauer hätte es sehr rutschig werden können…

Parallel dazu bekam ich Zahnschmerzen. An einer Stelle, wo ich vor etwa 3 Jahren eine sehr schmerzhafte Wurzelbehandlung hatte. Weil ich mich schon mit einer erneut notwendigen Wurzelbehandlung nach Hause fahren sah, ging ich natürlich erst einmal ein paar Tage nicht zu einem Zahnarzt. Ist logisch, oder? Wenn ich nicht zum Arzt gehe, verschwindet der Schmerz wieder. Was von alleine kommt, geht auch von allein. Nun gut. Natürlich nicht. Zum Glück musste der Zahnarzt nur eine kleine Kontaktstelle abschmiergeln und schon ging es mir besser. Also lohnt es sich vielleicht doch zeitnah zu einem Arzt zu gehen. Hust.

Am Großen Arbersee habe ich mir aus einem umfunktionierten Kaugummi-Automaten eine kleine Holzkugel gezogen und bin damit die Kugelbahnen entlang gegangen! Dort stehen einige schräggestellte oder schräggeschnitzte Kugelbahnen über etliche Meter! Herrlich!

Fraukes Hand legt eine Holzkugel auf einen langen Baumstamm, wo eine Kugelbahn ausgeschnitzt ist.

Am Hohenbogen haben Mina und ich auf einem sehr hochgelegenen Wanderparkplatz geparkt und sind die restlichen Kilometer bis zum Gipfel gegangen. Das war eigentlich nicht sonderlich weit, doch Mina ist ja wegen ihrer Leishmaniose nicht mehr richtig fit… Oben angekommen setzten wir uns erst einmal auf die Außenbestuhlung der Hütte und machten eine ausführliche Pause. Ein Blick in Minas Gesicht und ich fragte nach, ob vielleicht auch ein Hund mit dem Sessellift runterfahren darf… Zum Glück ging das, solange sie auf meinem Schoß saß. Also habe ich nicht lange gefackelt und bin mit ihr todesmutig dort runtergefahren. Nun bin ich nur begrenzt schwindelfrei und der Sessellift bestand wirklich nur aus offenen, einfachen Sitzbänken. Und die Abfahrt ging einige Minuten sehr steil und sehr hoch den Berg runter. Damit Mina ruhig blieb, habe ich ordentlich und tief geatmet, damit meine Panik erst gar nicht stärker wurde. Das war schwierig! Unten angekommen zitterten mir ordentlich die Beine und ich kämpfte mit Übelkeit. Doch Mina war erleichtert, dass sie nicht auch noch den Rückwegen zu Fuß gehen musste!

Fernblick vom Hohenbogen über die weite Landschaft mit Feldern und Wiesen. Im Vordergrund ist eine Holzbank und Mina stiehlt sich ins Bild.

Als es nun die letzten Wochen immer wärmer wurde, habe ich Fliegengitter mit selbstklebendem Klettband montiert. Das war echt super bei den Temperaturen! An den hinteren Scheiben (diese kleinen, die man seitlich aufstellt) lasse ich die Fliegengitter permanent dran. Die von den vorderen Fenster nehme ich zum Fahren ab (sicher ist sicher: freie Sicht und so). Als es auch nachts ziemlich warm war, habe ich so einfach alle Fenster offen gelassen.

Im Radio hörte ich von Trixie-Spiegeln. Das sind Tote-Winkel-Spiegel, die an Ampeln montiert werden um Abbiegeunfälle zu vermeiden. In Brandenburg fuhr ich wirklich einmal an einer Kreuzung vorbei, wo ein solcher Spiegel montiert war. Während ich die Rotphase der Ampelschaltung abwartete, konnte ich sehr sehr gut den Toten-Winkel beobachten. Eine so simple und so hilfreiche Sache, die Unfälle vermeiden und Leben retten kann!

Wie auch immer ich das geschafft habe: ich habe einen faltbaren Silikon-Wassernapf unterwegs verloren.

Leider gab es einige Momente, wo mich der Umgang verschiedener Menschen mit Corona sehr verunsichert und auch geärgert hat. In einem Supermarkt stand eine Kundin mit aus der Maske heraus schauender Nase an der Kasse direkt hinter mir. So komplett direkt, ganz nah, quasi auf Hautkontakt. Als ich sie gebeten habe, den Abstand einzuhalten, wurde sie ausfallend. Diskutieren brachte nix… Auf einem Campingplatz trug niemand (!) eine Maske im Waschhaus, obwohl es sogar extra Hinweisschilder auf der Eingangstür gab. Auf einem anderen Platz war es sehr gemischt. Hierbei war ich sehr dankbar, dass ich mir vor Abfahrt eine Urinella gekauft hatte, mit der ich im Auto in eine Flasche pinkeln kann. So musste ich das Waschhaus nicht so häufig aufsuchen…

Ich habe zwei Sternschnuppen gesehen und an ein paar Orten mit wenig Lichtverschmutzung gemerkt, wie viele Sterne es doch dort oben gibt!

Meine Rückkehr

Irgendwann war der Moment gekommen, wo mir klar wurde, dass nun langsam das Ende näher rückt. Ich hatte es mir während meiner Reise ja bewusst offen gehalten, wann ich nach Hause fahre. So ganz grob hatte ich den Herbst angepeilt. Ja, und dann war irgendwann das Gefühl da: meine Auszeit neigt sich ihrem Ende zu.

Vom Gefühl her war es genau richtig so, wie es jetzt war! 14 Wochen sind eine lange Zeit und so, so, so viel mehr, als ich mir bei der Absage meiner Auszeit wegen Corona noch überhaupt hätte vorstellen können. Ich bin so dankbar für diese einmalige Zeit. Diese Reise durch Deutschland und diese Reise ein Stück weit zu mir selbst. Ich nehme viel mit. Viel aus dem Weg, den einzelnen besuchten Orten und Stellplätzen. Von den herzlichen Besuchen unterwegs. Von der Zeit allein mit Mina und mir.

Sonnenstrahlen in einem Wald

Diese Zeit hat mir nochmal viel über mich selbst gezeigt. Über mich, wer ich bin, wo ich stehe, was hinter mir liegt und wo ich hin möchte.

Das Ankommen Zuhause fiel mir nicht leicht. Geschlossene Wände und ein richtiges Bett. Fest an einem Ort sein. Doch es fühlte sich auch gut an. Vertraute Umgebung. Die Erfüllung eines so großen Wunsches im Herzen für immer mit mir herum zu tragen. Die Erinnerungen an die 14 Wochen. Die Ausblicke auf alles, was nun kommt!

Irgendwie fühle ich mich etwas zeitlos, ein bisschen zwischen den Welten. Nach zwei Wochen Zuhause fühlt es sich fast schon so an, als sei meine Reise ewig lang her. Schon fast unreal. Und doch zum Greifen nah!

Der Alltagstrott hat mich schneller wieder als ich dachte. Plötzlich war ich wieder in eigentlich alten Verhaltensmustern und meinte, dieses und jenes tun zu „müssen“. Doch genau davon möchte ich ja wegkommen. Unterwegs ist mir das total gut gelungen. Ich „möchte“ oder ich „will“ oder ich „darf“ etwas tun. Aber ich „muss“ etwas tun stresst mich und fühlt sich sogar nach Fremdbestimmung an. Da bin ich nun dran und beobachte meine Gedanken und mein Verhalten.

Ich habe eine Fortbildungsreihe in urbaner Naturpädagogik gestartet und bereits die ersten zwei Module in Köln besucht. Durch meine eigenen Depressionserfahrungen und meine Ausbildung zur Resilienztrainerin weiß ich, wie wichtig ein ausgeglichener Alltag sind und das Stärken von inneren und äußeren Ressourcen für die Zeit, wenn es mal nicht so rund läuft. Außerdem habe ich selbst erlebt und führe solche Augenblicke seit dem bewusst herbei, wo ich in der Natur unterwegs bin und es mir dank dieser Momente etwas bis einiges besser geht. In der urbanen Naturpädagogik geht es darum, dass wir wieder einen besseren, direkten Zugang zu der Natur bekommen. Dabei muss es nicht immer der total riesige Wald sein. Es reicht auch schon ein Park, eine Wiese oder halt das, was an Grünem vor der jeweiligen Haustür liegt. Während dieser Fortbildungsreihe lerne ich nun, wie ich anderen Menschen die Natur auf verschiedene Art und Weisen näher bringen kann, sodass wir die wohltuende Wirkung der Umgebung erfahren. Ein paar Module liegen noch vor mir!

Ihr merkt, in den zwei Wochen Daheim ist bereits eine Menge in mir drin los gewesen. Ich schmiede Pläne und versuche die Entschleunigung meiner Auszeit mit in den nun folgenden Alltag zu nehmen. Parallel dazu merke ich, wie gut mir gerade die Offline-Zeit tut. Deshalb war es hier auch so lange so still 🙂

Irgendwann demnächst erzähle ich euch, wie ich aus meinem kleinen Citroen C1 einen Microcamper gebaut habe. Und ich habe im Kopf einen Text angefangen zu schreiben, wie es mir unterwegs mit der Freiheit und der Sicherheit ergangen ist.

Doch nun erst einmal: Bis bald!

PS: Falls ihr einen oder alle Teile meines bisherigen Reiseberichts verpasst haben solltet, findet ihr hier die einzelnen Links! Teil 1, Teil 2, Teil 3!

3 Kommentare zu „Durch Täler und Berge und Wälder und zurück nach Hause– Auszeit-Roadtrip Teil 4“

  1. Ich dachte, Du bist wegen der Fortbildungsreihe zurück gekehrt, denn die wirst Du ja schon vor längerer Zeit gebucht haben. Das hätte mir auch erklärt, warum Du auf einmal (gefühlt) schneller unterwegs warst.
    …aber vielleicht war es auch nicht so, wie es (grade auf mich) wirkt.

    …und wegen den bunten Blättern, die am Ende Deiner Reise schon von den Blättern abfielen: Hier, in meiner Gegend, liegen auch schon Blätter auf dem Boden, aber das Laub der Bäume kann ich noch nicht als bunt bezeichnen. Es gibt getrocknete Blätter, ja. In gelb oder braun. …aber die meisten sind doch noch grün und hängen noch an den Bäumen. …Das ist auch gut so. Es ist noch kein Herbst.

    1. Nee, die Fortbildungsreihe habe ich zwar wirklich schon vor ein paar Wochen gebucht. Aber ich hätte von Köln aus ja problemlos noch weiter fahren können. (Köln ist ja nicht mein Heimatort.)
      Ich bin die ganze Zeit in dem Tempo und den Entfernungen gefahren, wonach mir war. Das wird mal schneller und mal langsamer gewesen sein.
      Hier gibt es bereits bunte Blätter auf dem Boden. Und die Temperaturen am Morgen und am Abend sind für mich herbstlich. Der metereologische Herbst hat bereits gestartet und der „richtige“ Herbstanfang ist auch bereits kommende Woche.

  2. Ja, stimmt. Du hättest noch weiter fahren können. Finde ich jedenfalls gut, dass Du Dich nach „Deinem Gefühl“ hast leiten lassen. Ich bin ja auch immer noch daran, dass ich gerne mal ein halbes Jahr durch Deutschland reisen würde, aber jetzt habe ich mich für diese Arbeitsstelle entschieden und bin trotz einiger Nachteile auch froh, sie zu haben. Ich weiß nicht, wann ich in nächster Zeit Zeit und Ruhe haben sollte, ein halbes Jahr durch Deutschland zu reisen.

    …und das Wetter: Ja, ich finde es auch schon herbstlich. Eigentlich seit meinem Kurzurlaub Ende August. Ich kam hier an und es fühlte sich nach Herbst an. Nur wirklich bunt sind die Blätter hier (noch) nicht.

    Ein schönes Wochenende noch.

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