Meine geplante Auszeit 2020 – Corona-Update

Die letzten Tage waren für wahrscheinlich (fast) alle von uns irgendwie turbulent, zum Teil nervenaufreibend und unerwartet in ihrer Corona-Pandemie-Dimension. Von jetzt auf gleich waren auch meine Pläne für die kommenden Monate in Frage gestellt und ich erlebte ein ziemliches Gefühlschaos. Nachdem ich hier vor gerade mal zwei Wochen erzählt habe, dass ich mein Leben gerade ziemlich umkrempel, steht meine Welt nun Kopf und ich verschiebe mein fest für in zwei Wochen geplantes Abreisedatum.

Die Hündin Mina steht im Wald, das Foto ist auf den Kopf gedreht.

[Der nachfolgende Text schildert meine Gedanken und Emotionen aus meiner ganz individuellen Situation. Ich bin mir bewusst, dass ich in einer privilegierten Situation bin: ich zähle nicht zur Risikogruppe für Corona-Patienten, habe keinerlei Krankheitssymptome, wohne in Deutschland mit einem relativ gut aufgestellten Gesundheitssystem, etc. Die Vorsichtsmaßnahmen sollen die Pandemie eindämmen um eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern und möglichst schlimmere Krankheitsverläufen vozubeugen. Viele Menschen leisten hierbei wertvolle Arbeit! Viele Menschen haben aber auch Angst und Panik. Es kommt zu Hamsterkäufen, unsolidarischem Verhalten in den Supermärkten und leeren Regalen bei Klopapier, Nudeln, Mehl und Hefe. Andere Menschen belächeln die derzeitige Entwicklung. Ich weiß nicht, was davon richtig oder falsch ist. Klar, ich habe eine persönliche Meinung und habe keinerlei Hamstereinkäufe getätigt. Und natürlich habe ich auch Angst um die Gesundheit der Menschen aus meinem nahen Umfeld, die zur Risikogruppe zählen! Wenn ihr also meine Sichtweise bzgl. der derzeitigen Entwicklung auf meine Auszeit lest, habt bitte im Hinterkopf, dass ich natürlich gesamtgesellschaftlich auch meine Gedanken und Sorgen habe.]

Ich habe lange Zeit gebraucht um mich auf die Realisierung meines Traumes einer mehrmonatigen Auszeit einzulassen. Meinen festen Job habe ich gekündigt und meine Reise quer durch Deutschland geplant. Eigentlich sollte es heute in 2 Wochen losgehen. Mina, mein Microcamper (mein Citroen C1) und ich.

Doch die letzten Tage hat sich die Situation rund um Corona sehr zugespitzt. Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt. Cafés, Restaurants, Museen, Schulen, Kitas etc. schließen. Zum Teil bis nach den Osterferien, zum Teil ohne genaue Datumsangabe. In offiziellen Ansprachen in Funk und Fernsehen werden wir dazu aufgerufen, uns zurück zu ziehen, soziale Kontakte zu meiden und unsere Reisetätigkeiten einzuschränken.

In Bezug auf meine Auszeit hatte ich verschiedene Wörter und Ansätze im Kopf, die ich gerne realisieren und verwirklichen wollte. Ich habe Entscheidungen getroffen, von denen nur ich allein profitiere und ich wollte nur für mich allein (plus Mina) die Verantwortung tragen. Auf meiner Reise wollte ich mich entschleunigt treiben lassen, Land und Leute kennenlernen. Ich wollte Freiheit und Sicherheit spüren.

Vielleicht habe ich mir das ein oder andere Wort zu laut beim Universum gewünscht oder es hat mich zu wörtlich genommen. Entschleunigen kann ich in den kommenden Wochen scheinbar sehr, sehr gut (wenn auch nicht unterwegs, sondern zuhause). Verantwortung spielt weiterhin eine Rolle in meinem Leben (mit meinem Verhalten übernehme ich Verantwortung für andere Menschen). Sicherheit habe ich bis zu einem gewissen Punkt ebenfalls (ich bin symptomfrei und das Gesundheitssystem funktioniert soweit). Was die Freiheit dabei tut, ist mir noch nicht ganz klar. Das löst sich aber bestimmt auch noch auf. Das Universum, das Schicksal oder wer auch immer hat die von mir gewünschten Wörter scheinbar etwas anders interpretiert, als ich mir das vorgestellt hatte…

Nach dem aktuellen Corona-Stand von gestern werde ich in zwei Wochen meine Auszeit nicht starten können. Ich habe mit ziemlich viel Gefühlschaos, sehr vielen Gedanken und einer mittlerweile sehr ordentlichen Portion resigniertem Galgenhumor entschieden, meine Abreise auf mindestens Ostern zu verschieben. (Galgenhumor hilft mir in Krisensituationen schon immer meine Laune nicht komplett kippen zu lassen.) Also so lange, bis die Kitas und Schulen nach jetzigem Stand wieder öffnen werden. Ich habe die Hoffnung, dass sich die Lage bis dahin etwas entspannt hat und das öffentliche Leben wieder etwas normaler verläuft.

Ob das so sein wird, weiß im Moment niemand. Laut einiger Stimmen haben wir den Höhepunkt der Coronaverbreitung in Deutschland noch nicht erreicht. Vor einer Woche habe ich nicht ansatzweise damit gerechnet, heute diese Worte zu tippen.

Ob ich nach Ostern mit meinem Microcamper losfahren kann, ist nicht gewiss. Klar, ich bin damit flexibel und kann spontan reagieren. Doch was mache ich, wenn sich diese Ausnahmesituation weiter zuspitzt und für länger als ein paar Wochen anhält?

Fakt ist, dass ich ab April keinen Arbeitsvertrag mehr habe (zur Zeit verbrauche ich Überstunden und Urlaub). Mein Microcamper ist so gut wie fertig gepackt und ich könnte losfahren. Doch ich kann nicht.

Wie es weiter gehen wird, wird sich in der kommenden Zeit zeigen.

Doch ein Gefühl bleibt. Ein Zweifel. Darf ich das ganze überhaupt?

Dies ist ein Teil meiner Sozialisierung, meiner Persönlichkeit, einer der verschiedenen Auslöser meiner Depression.

Im Herbst war mein Plan noch, dass ich mit Mina eine mehrmonatige Wanderung mit Wanderwagen quer durch Deutschland mache. Dann bekam Mina einen so krassen Leishmaniose-Schub, dass längere Zeit nicht klar war, ob sie ihn überlebt und als das klar war, war auch klar, dass sie keine Mehrtageswanderungen mehr machen darf. Der Fahrradanhänger, den ich dann nach etlicher Recherche anschaffte, um mit Mina die Reise mitsamt dem Rad anzutreten, steht mittlerweile als ebenfalls unbrauchbar eingestuft im Keller: Mina bekommt da drin massive Panik, egal in wie vielen kleinteiligen Schritten ich sie versuche daran zu gewöhnen. Ja und nun wäre mein Microcamper soweit ausgebaut, dass wir damit entspannt starten könnten. Doch nun haben wir eine Corona-Pandemie.

Mein Gehirn sieht da einen dezenten Wink des Schicksals und rät mir von meiner Auszeit ab. Das Schicksal möchte mir doch wohl ziemlich deutlich mitteilen, dass das eine egoistische Dreckskacke ist, was ich da vorhabe. Ein Plan nach dem anderen erweist sich als unbrauchbar und nicht umsetzbar.

Zur Zeit verhandeln wir noch. Meine innere Kritikerin und ich stehen in regem Austausch. Ich habe nämlich nach wie vor die Hoffnung, dass sich die ganze Lage in absehbarer Zeit wieder entspannt und ich dann einfach mit einigen Wochen Verzögerung meine Auszeit starten kann. Je nachdem, welchen Beitrag ich in Radio, Internet, Social Media gerade gesehen/gehört/gelesen habe, schwankt mein Optimismus mäßig bis stark.

Aber Frauke wäre nicht Frauke, wenn sie nicht in praktmatischen Aktionismus verfällt. Ich bin Corona-symptomfrei, habe frei und ein paar Rücklagen, die ich während meiner Auszeit zum Lebensunterhalt nutzen wollte. Das kann ich nun also erst einmal von Zuhause aus. (Durch meine Eigenkündigung habe ich ja eine dreimonatige Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.) Ich kenne ein paar Menschen mit Kindern und habe dort meine Hilfe bei Engpässen in der Kinderbetreuung angeboten. Außerdem habe ich meine Hilfe bei Einkäufen etc. bei Personen mit Risikofaktoren angeboten. Meinen Blog wollte ich nach meinem Umzug 2018 von Blogger hierher zu WordPress eh mal ordentlich überarbeiten, da etliche ältere Blogposts ziemlich verschoben und schräg formatiert sind. Genug zu tun findet sich also locker.

Das Land-und-Leute-Kennenlernen und mich-treiben-lassen, das wird die kommenden Wochen echt schwierig.

Puh, ich weiß, dass das, was in mir gerade gedanklich und gefühlstechnisch passiert, sehr egoistisch ist. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und habe sehr viele, für mich sehr krasse Schritte in den letzten Monaten unternommen, um nun für max. 6 Monate quer durch Deutschland zu reisen. Diese ganze Pandemie stellt meine komplette Reise mal eben in Frage. Ich bin genervt von all den einschränkenden Corona-Maßnahmen, die mich massiv in meinen Plänen einschränken.

Aber ich bin nur eine von vielen Menschen auf diesem Planeten.

Meine Pläne verliere ich auf keinen Fall aus den Augen. Mit all den Zweifeln im Hinterkopf und der lauten Stimme meiner inneren Kritikerin im Ohr versuche ich optimistisch nach vorne zu schauen und auf eine hoffentlich zeitnahe Abfahrtsmöglichkeit zu warten.

Drückt mir die Daumen!

Ihr bleibt bitte alle gesund, passt auf euch auf und helft euch gegenseitig, wo Hilfe notwendig (und sinnvoll umsetzbar) ist!

An einem Ast im Wald hängt ein Tropfen. Das Foto ist auf den Kopf gedreht. Das Spiegelbild im Tropfen ist richtig herum.

Unser Alltag steht für viele von uns auf dem Kopf. Lasst uns zusammen halten und solidarisch handeln bis unten wieder oben und oben wieder unten ist. (Die Spiegelung im Tropfen auf dem Foto ist schließlich auch richtig herum.)

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frauke,

    in dem Buch „Du bist der Hammer“ von Jen Sincero, das ich übrigens sehr empfehlen kann, beschreibt sie genau das, was du gerade erlebst. Nämlich dass Menschen, die so „krasse“ (positive) Entscheidungen für ihr Leben getroffen haben erstmal ordentlich Gegenwind vom Universum bekommen. Daher lass dich nicht entmutigen! Du kannst echt stolz auf dich sein!

    Liebe Grüße,
    Silvia

    • Hallo Silvia,
      vielen Dank für deine ermunternden Worte.
      Aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung ist meine Reise nun abgesagt.
      Liebe Grüße, Frauke

  2. Ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Im Moment ist so viel im Wandel und keiner weiß, wo wir ankommen.

    • Genau. Deshalb ist meine Reise nun komplett abgesagt…
      Zur Zeit spitzt sich jeden Tag immer mehr zu…

  3. Liebe Frauke,
    natürlich ist das gerade eine ziemlich blöde Situation. Da planst du, deine Komfortzone zu verlassen und dich auf etwas völlig Neues einzulassen, dann passiert so etwas. Das hat keiner kommen sehen, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Trotzdem, denke ich, solltest du optimistisch bleiben. Deine Auszeit ist nicht vom Tisch, nur weil es sich verschiebt. Vlt. kannst du nach Ostern los, vlt. auch erst im Sommer, aber es ist noch machbar. Solange du es willst! Ich drücke dir die Daumen.
    Viele Grüße von Annie

  4. Mein Beitrag ist weg, weil ich vergessen habe, unten das Kästchen anzukreuzen. Ich bekam beim Absenden den Hinweis. Als ich zurück klickte, was das Antwortfeld leer. Seufz.

    Von daher jetzt nur nochmal kurz: Immerhin kannst Du wegfahren (Auto). Wer den ÖPNV nimmt, hat zunehmend ein Problem. Ein Bekannter von mir war vor ein paar Tagen in einem Café in einem Naherholungsgebiet km weit von ihm entfernt. Mal abgesehen von der Frage, ob und wie lange das Café noch auf hat: mein Radius ist viel eingeschränkter. Ich kann zwar mit der Bahn fahren, aber da sind Menschen..und die soll man im Moment ja mehr oder weniger meiden.

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