Mein 2019 – mein Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und so sitze ich wieder an meinem alljährlichen Jahresrückblick! Eine liebgewonnene Tradition um am Jahresende die gefühlt so schnell verflogene Zeit Revue passieren zu lassen. War nicht letzte Woche erst Silvester? Ach nee, das kann ja gar nicht sein. Zu viel ist in den letzten 12 Monaten bei mir passiert. Im Außen, aber auch im Innen. Echt ganz schön viel für ein Jahr…

Sonnenaufgang am Kanal. Schwarzer Boden, Blau-gelb-rosa-lila Himmel. In der Mitte ragt ein schwarzer Baumumriss in den Himmel. Ein Hund blickt in die Kamera.

Bei meinem Jahresrückblick 2018 startete ich sehr nachdenklich und eher mit einem negativen Gefühl um dann am Ende des Schreibens zu merken, dass das schon ein ganz schön tolles Jahr war.

Dieses Jahr fallen mir spontan einige richtig tolle und auch richtig wichtige Moment ein. Los gehts mit meinem Jahr 2019!

Mein Umzug

Im Mai bin ich von der Dortmunder Innenstadt ein paar Orte weiter gezogen und lebe nun in einer Kleinstadt in Waldnähe. Die Entscheidung fiel meinerseits bewusst, doch der Abschied von meiner geliebten Wohnung mit dem superschönen Balkon war nach 10 Jahren nicht leicht…

Umso schöner, dass ich mich hier in meinem neuen Heim mittlerweile sehr gut eingelebt habe!

Bedingt durch den nun notwenigerweise längeren Arbeitsweg, radel ich jeden Tag insgesamt 24 km hin und zurück zum nächsten Bahnhof (also einfache Strecke 12 km) und fahre dann mit Zug und U-Bahn weiter. Mein Fahrrad hat anfangs ziemlich gelitten, weil die Diebe jeden Tag eine andere Kleinigkeit abmontiert haben, während ich bei der Arbeit war. Zum Glück bekam ich dann den Tipp mit der Fahrradstation ums Eck, die vom Bahnhof aus nicht ersichtlich ist. Seitdem steht mein Fahrrad sicher und ich brauche keine Angst vor fehlenden Schrauben zu haben…

Depression, Resilienz und Mutausbrüche

Seit Februar kann ich wieder angst- bzw. panikfrei Zug fahren! Das hat mir in diesem Jahr 2019 so viel Freiheit beschert, unglaublich!

So war ich z. B. mit dem Zug beim Offline-Mädelsabend von mädelsabende in Köln und habe einen herrlichen Abend mit vielen neuen und altbekannten Gesichtern verbracht.

Im Frühling habe ich in der Sendung B.wegt auf health tv von meinen Depressionserfahrungen erzählt. Außerdem war ich bei einem Studentenprobjekt und habe dort in einer Art Talkshow über meine Erfahrungen mit Antidepressiva gesprochen. Bei „Freunde fürs Leben“ habe ich in einem Gastbeitrag über die Hoffnung, die man nicht aufgeben darf, geschrieben.

Außerdem habe ich mich im Frühjahr für einen Förderpreis für Anti-Stigmatisierungsprojekte zum Thema Depression beworben. Ja, ernsthaft. Ich habe mich und diesen Blog dort eingereicht und in einer mehrseitigen Bewerbung vorgestellt. Im Herbst kam leider die Absage. Doch ich habe mich getraut mich überhaupt dort zu bewerben und das zählt für mich schon ziemlich viel!

Der Sommer war ja wieder sehr heiß und so habe ich gemerkt, dass die Hitze bei mir ähnliche Symptome wie meine Depression verursachen kann…

Auch im Sommer habe ich einige fantastische Tage in Berlin verbracht und meine Ausbildung zur Resilienztrainerin RASMUS absolviert! Seitdem habe ich einige Impulsvorträge zum Thema „Resilienz – Wie kann ich das Immunsystem meiner Seele trainieren?“ gehalten! Ich, als ziemlich introvertierter Mensch, habe Vorträge gehalten und es sind schon weitere geplant! Echt ganz schön krass, dass mir das Spaß macht! Das hätte ich einige Monate vorher noch nicht für möglich gehalten! Ich wollte eigentlich noch einen 10-wöchigen Resilienzkurs in Recklinghausen anbieten, aber der kam wegen zu geringer Teilnehmerzahl vorerst leider nicht zustande. Doch wer weiß, was das neue Jahr bringen wird 🙂

Ganz nebenbei habe ich während der Ausbildungszeit in Berlin probiert, endlich mal wieder freihändig Fahrrad zu fahren. Und siehe da, ich kann es wieder! Juhu!

Im September war ich bei meinem ersten Poetry Slam! Auf der Bühne! Ich! Auf der Bühne! Dort habe ich einen Brief zum 6. Jahrestag an meine Depression vorgetragen. Meine Güte, war ich nervös… Und so nervös wie ich war, genausom wenn nicht sogar noch viel mehr, stolz war ich hinterher auf mich!

Ebenfalls im September war ich zum Patientenkongress der Deutschen Depressionsstiftung in Leipzig eingeladen! Das war ein total spannendes, intensives Wochenende!

Vor kurzem war ich mit meinem Brief an meine Depression, den ich beim Poetry Slam vogetragen habe, beim Recovery-Adventskalender vom Blog „Hoffnung hilft heilen“.

Und ganz nebenbei habe ich in diesem Jahr sehr viele bewusste Pausen eingeplant, wenn ich wusste, dass etwas stressiges oder aufregendes ansteht. So habe ich mir nach dem Offline-Mädelsabend in Köln z. B. ganz bewusst einen Tag frei genommen, weil ich wusste, dass dort viele Reize auf mich warten und dass es spät werden wird und ich danach einfach etwas Regenerationszeit brauchen werde. Selbstfürsorge vom Feinsten!

Außerdem habe ich versucht so oft wie möglich einen bewussten Feierabendkaffee zu trinken. Einfach um im Feierabend anzukommen und nicht direkt weiter zu hetzen. Diese paar Minuten sind mittlerweile Gold wert und verhelfen meinem restlichen Tag zu wesentlich mehr gechillter Gelassenheit.

Mina und die vielen Sorgen

Die letzten Monate waren echt nicht witzig. Minas heftiger Leishmanioseschub hat mich ziemlich an meine nervlichen Grenzen gebracht. Neben all den riesigen Sorgen um sie, den immer weiter steigenden Tierarzt- und Medikamentenkosten und dem Bangen, ob sie es dieses Mal überhaupt schafft durchzukommen, daneben setzte mir der Schlafmangel wegen ihrem alle 1 – 3 Stunden notwendigen Pipi machen ziemlich zu…

Mittlerweile scheint sie über den Berg zu sein! Eine kleine Sorge bleibt natürlich im Hinterkopf, doch ohne die wäre es bei einer chronischen Krankheit, wie der Leishmaniose, auch komisch.

Doch sie wird keine Mehrtageswanderungen mehr machen können. Weswegen mein im Frühling gekaufter Wanderwagen nun leider überflüssig ist (by the way: Braucht jemand von euch einen kaum genutzten Wanderwagen? Ich hätte da einen zu verkaufen! Einfach kurz per Email melden!). Ende November schenkte ich ihr deshalb einen Hunde-Fahrradanhänger. In ganz kleinen mini-winzigen-mini Schritten im Wohnzimmer habe ich versucht sie an den zu gewöhnen. Nachdem sie erst einige Fortschritte gemacht hatte, machte sie nur noch Rückschritte und hatte ganz zum Schluss eine riesige Panik vor mir. Die kleine Maus duckte sich weg, sobald sie mich sah. Mein Herz blutete, schließlich hatte ich keinerlei Gewalt o. ä. angewendet und wirklich immer versucht jeden kleinen Schritt in noch kleinere Schritte zu unterteilen, um ihr ihre massive Angst und Panik vor einem Anhänger zu nehmen…

Das Ende vom Lied: ich habe ihren panischen Blick in meine Richtung nicht mehr ertragen und so steht der Anhänger nun vorerst im Keller. Hierbei ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen und wir versuchen es mit einem zeitlichen Abstand nochmal…

Mina hat dann noch mal etwas gebraucht, aber nun fürchtet sie sich nicht mehr vor mir!

Schwesternthemen

Wir drei Schwestern waren gemeinsam in der TINA und diversen anderen Zeitschriften! Diese Form der „Aufklärung“ über die Normalität von einer Behinderung ist uns dreien sehr wichtig und so lächeln wir gerne in die Kamera. Auf diesem Weg erreichen wir einfach nochmal eine andere Form der Zielgruppe, die sonst vielleicht nicht zwangsläufig mit diesem Thema in Kontakt kommen würde oder aber auch Vorurteile und Barrieren im Kopf hat, die wir damit vielleicht etwas abbauen können.

Im August waren wir im Allwetterzoo in Münster und haben dort einen schönen Regentag verbracht.

Im Herbst blieb einmal mein Herz kurz stehen, als ich von dem Auto-Unfall meiner Zwillingsschwester erfuhr. Zum Glück blieb es „nur“ bei einem ordentlichen Schleudertrauma…

Im November haben wir das dritte Mal in Folge Weihnachten vorgefeiert!

Außerdem war ich bei einem Wochenende für erwachsene Geschwister behinderter und chronisch kranker Menschen. Das war sehr berührend und hat viel in mir bewegt!

Wanderungen und Urlaube und so

Direkt am Anfang des Jahres habe ich ein sehr schneereiches und krimilastiges Wochenende in der Eifel verbracht. Ich war an einem Tag mit angekündigtem Dauerregen in Wuppertal zum Wandern und habe eine Feierabendrunde um die Burgruine Volmarstein gedreht.

Wie bereits bei Mina weiter oben beschrieben, war ich mit meinem Wanderwagen unterwegs. Einmal habe ich alleine (!) im Wald (!) übernachtet und einmal ging es mit Mina für ein Wochenende an die Lahn.

Im Sommerurlaub habe ich auf einem Roadtrip mit Auto, Hund und Zelt Tschechien erkundet. Ein von mir bis dahin völlig unterschätztes Reiseland!

Nachhaltigkeit im Alltag

In 2019 habe ich immer weiter versucht weniger zu konsumieren, mehr selber zu machen und generell nachhaltiger zu leben.

Ich habe bis zu meinem Umzug viel aus dem Foodsharing-Schrank in Dortmund verwendet. Wenn ich zufällig in die Nähe komme, schaue ich nun bei dem Foodsharing-Schrank in Recklinghausen vorbei. Außerdem schaue ich regelmäßig in der App to-good-to-go nach Essen, das gerettet werden möchte.

Gemüse wird hierbei mir nun regelmäßig fermentiert. Besonders gern mache ich das mit „gerettetem“ Gemüse. Sprossen ziehe ich auch mehr oder weniger regelmäßig im Keimglas.

Selbstgemachter Fichtenspitzensirup stand dieses Jahr auch das erste Mal an!

Fürs Duschen habe ich ein Seifensäckchen gehäkelt, das seitdem fleißig im Einsatz ist!

Kleidung shoppe ich so gut wie gar nicht mehr in neu. Wenn ich etwas neues brauche, ist es meist secondhand. Nur Unterwäsche, Socken und Outdoorbekleidung kaufe ich in neu. Aber bei einem zauberhaften T-Shirt mit Eichhörchen hätte ich letztes Wochenende beinahe zugeschlagen. Doch es war nicht in meiner Größe da 😉

Irgendwann im Laufe dieses Jahres habe ich komplett aufgehört Fleisch zu essen. Ich war ja eh schon Teilzeit-Vegetarierin, doch umso mehr ich mich (wieder) mit den ganzen Themen rund um Tierwohl, -haltung, -schlachtung etc. beschäftigt habe, umso weniger kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich habe zwei Ausnahmen in Tschechien gemacht, als es vor Ort frisch gefangenen und geräuchterten Fisch gab. Außerdem habe ich ein oder zweimal Sushi gegessen. Mittlerweile verzichte ich auch auf meine heißgeliegte Currywurst, wenn es sie nicht gerade in einer vegetarischen oder veganen Variante gibt. (Das ist auch der einzige Punkt, wo es sich wie „Verzicht“ anfühlt. Ansonsten lasse ich das Fleisch einfach weg und gut ist.)

Kreatives und so Quality-Time-Zeug

Als es einmal richtig kalt war, habe ich auf meinem damaligen Balkon ein Eiskunstwerk erschaffen. Ich habe eine Schaumkelle mit einer Biene bestickt! Außerdem habe ich viel gemalt, ein bißchen genäht und dabei meinen Kopf ausgeschaltet. Für eine Patchworkdecke habe ich Lavendeldruck ausprobiert! Für mein Patenkind habe ich ein Täschchen mit Heilwolle gegen fiesen Husten genäht.

Ich war in verschiedenen Kunstausstellungen, Aufführungen und Lesungen. Bei einem Malworkshop habe ich aus Naturmaterialien Farben hergestellt.

Freund*innen-Zeit ist mir immer sehr wichtig. Egal, ob wir uns irgendwo in einem Cafe treffen, bei jemandem daheim oder irgendwo draußen.

Ich war mehrmals in einer Trampolinhalle und habe dank eines mir bis dahin unbekannten Mädchens einiges gelernt. Sie war sehr geduldig mit mir und meinem Erwachsenen-Zögern. Doch zum Schluss konnte ich so super easy von Empore zu Empore springen! Dank den zwei besten Trampolinbegleiterinnen der Welt gab es im Nachgang jeweils eine Portion Pommes!

Meine Wünsche und Ziele für 2020

Ihr habt zwischen den Zeilen bestimmt gelesen, dass ich bei meiner Depression, meiner persönlichen Entwicklung und überhaupt in und an mir riesige Fortschritte gemacht habe. Ich habe mehrmals meine Komfortzone sehr weit verlassen, neues gewagt und war hinterher mega stolz auf meine Mutausbrüche.

Für 2020 geht es direkt so weiter. Ich habe konkrete Dinge in die Wege geleitet, die im kommenden Jahr für einige Umbrüche sorgen werden. Meine konkreten Pläne sind von Minas Leishmaniose-Schub und ihren damit verbundenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen ordentlich durcheinander geraten und haben mich das ein oder andere Mal zu verzweifelten Tränen gebracht. Doch nun gehts weiter und ich habe meine Pläne neu justiert. Näheres dazu und was ich hier überhaupt so nebulös andeute, das folgt irgendwann in den kommenden Wochen in einem separaten Text! Ihr könnt gespannt sein… Ich bin es auf jeden Fall sehr!

Keine Ahnung, wo 2020 mich hinführen wird, aber es wird mich ordentlich herausfordern und hoffentlich ordentlich beglücken… Die entscheidenden ersten Schritte habe ich bereits in den letzten Monaten gewagt, der Rest folgt dann in 2020!

Ich freue mich auf die neue Jahreszahl, das noch unentdeckte Jahr, auf alles neue und alte!

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ein total schöner, bunter Jahresrückblick. Danke! Da bekomme ich als „Neuling“ hier auf deiner Seite gleich einen guten Eindruck davon, was sich bei dir in letzter Zeit alles getan hat und womit du so insgesamt gerade unterwegs bist..
    Ich wünsche dir einen schönen Jahreswechsel und einen wohligen Start in ein feines neues Jahr. Freue mich darauf, dass wir uns nächstes Jahr mal zu einem Podcast-Gespräch treffen werden! 🙂
    Alles Liebe inzwischen,
    Martha

    • Liebe Martha,
      es freut mich, dass du dich hier auf meinem Blog wohl fühlst und mit meinem Jahresrückblick einen kleinen Überblick über mein letztes Jahr bekommen hast!
      Ich freue mich schon auf unser Podcast-Treffen 🙂
      Liebe Grüße, Frauke

  2. Liebe Frauke, somit sind meine alle vorhin in der Mail gestellten Fragen beantwortet und ich drücke Dir die Daumen für all Deine neuen Herausforderungen und Pläne.
    Du hast im letzten Jahr Unglaubliches geleistet, meine Hochachtung!
    Gehe diesen Weg weiter und wenn es mal einen Rückschlag gibt, dann erinnere Dich an 2019!
    Wir wünschen Dir alles, alles Gute und senden viele liebe Grüße und gute Wünsche
    Deine Ingrid mit Josef

    • Liebe Ingrid,
      ganz lieben Dank für deine Email (Antwort folgt noch!) und deinen lieben Kommentar!
      Ich wünsche euch beiden von Herzen alles Liebe und Gute!
      Liebe Grüße, Frauke

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