Roadtrip mit Zelt und Hund durch Tschechien – Teil 2: meine Highlights

Im ersten Teil meines Urlaubsrückblicks habe ich euch davon vorgeschwärmt, warum Tschechien ein in meinen Augen total unterschätztes Reiseland ist. Im zweiten Teil zeige ich euch nun meine persönlichen Highlights dieses tollen und vielfältigen Landes!

Ein Aussichtspunkt am Prebischtor. Fernblick mit viel Wald. Eine Frau steht auf eine Art Steg, der umzäunt ist und hat einen Hund an der Leine.

Campingplätze

Von den Campingplätzen war ich sehr angetan! Wir haben uns immer welche mit Fluß oder (Stau-)See rausgesucht. Nur einmal hatten wir einen Platz, wo der Fluß etwa 200 m fußläufig entfernt war. Herrlich! Ich bin in den 3,5 Wochen vielleicht 3 mal duschen gewesen. Sonst habe ich mich einfach im Gewässer gewaschen (ja, natürlich ohne Seife).

Die Preise waren im Vergleich zu deutschen Campingplätzen sehr preiswert. In den touristisch genutzten Regionen (wie z. B. bei der Schneekoppe) waren sie natürlich etwas teurer, aber immer noch unterhalb von bei uns üblichen Preisen.

Generell war das Zelten dort sehr entspannt. Es gab freie Platzwahl ohne voreingezeichnete Parzellen. Jede*r hat sich einfach dort hingestellt, wo es gefiel und wo Platz war.

Mein Highlight-Campingplatz war beim böhmischen Wald: Soumarsky Most. Dort fließt die „warme Moldau“ direkt durch den Platz. Ja, anfangs bin ich auf den Namen reingefallen. Es gibt einfach zwei Zuläufe (warme und kalte Moldau), die sich später zur „richtigen“ Moldau vereinigen. Warm ist die Moldau rein temperaturtechnisch hier auf jeden Fall nicht gewesen. Sonderlich hoch bzw. tief war sie auch noch nicht, weil die Quelle nicht zu weit entfernt war. Als wir dort waren, waren die Tagestemperaturen auch nicht so extrem hoch, sodass ein Bad in der warmen Moldau schon richtig ordentlich richtig kalt war. Es war aber nötig, weil der Campingplatz nicht über fließendes Wasser verfügt. Es gibt nur Plumpsklos und auch sonst ist er sehr naturbelassen. Aber genau den Charme mag ich ja! (Na gut, auf Plumpsklos kann ich schon verzichten…) Wie es auf dieser Homepage so schön heißt: „… ohne sonstige Errungenschaften der modernen Zeit.“

Egal, wie einfach der jeweilige Campingplatz war, es gab auf jeden Fall einen Ausschank mit Bier (pivo)!

Wandern, Natur und Co.

Naturtechnisch hat Tschechien viel zu bieten. Wald, Feld, wilde Wiesen, Berge, Flüsse, Seen, Bäche… Das Land ist sehr abwechselungsreich!

Wir haben unsere Etappen hauptsächlich nach den grünen Flecken auf der Landkarte ausgerichtet. Wo ist das nächste Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet, wo ist ein Berg oder sonst was schönes in der Natur? Hier kommen meine Highlights!

Spindlermühle und Schneekoppe

Die Schneekoppe ist der höchste Berg des Riesengebirges. Da liegt es natürlich nahe, dass er dementsprechend beliebt bei den Touristen ist… Was hier auf den Fotos nach leeren Wanderwegen aussieht, täuscht zum Teil. Gerade beim Aufstieg war es ziemlich voll und auf der Bergspitze erst recht. Der Rückweg war dafür umso entspannter!

Der Berg ist so beliebt und so unterschätzt, dass dort Menschen mit Badelatschen hochwandern…

Wir haben bei der Spindlermühle gecampt. Falls ihr Skifahrer seid, habt ihr hiervon vielleicht schon mal gehört? Im Winter soll der Platz gerade bei Skifahrern sehr beliebt sein! Direkt am Campingplatz entlang fließt übrigns die Elbe, die einige Kilometer weiter oben entspringt.

Von hier aus haben wir einen Bus bis zur Spindlerbouda genommen um den Aufstieg ein kleines bißchen abzukürzen. Insgesamt sind wir an dem Tag aber trotzdem locker auf 25 km gekommen, etliche Höhenmeter und felsig-abenteuerliche Wanderwege inklusive!

Zur Planung der Wanderung als Rundweg haben uns übrigens diese und diese Seite sehr weitergeholfen!

Natura Trail

Für den Rundweg Natura Trail sind wir von der tschechischen Seite des böhmischen Waldes nach Österreich rüber gefahren. Der Natura Trail führt von hier aus nach Bayern und Tschechien. Bei der Wanderung überschreitet man also 3 Grenzen und genießt dabei herrliche Aussichten!

Edmundsklamm, Wilde Klamm und Prebischtor

Hierbei handelt es sich um einen sehr touristischen, aber dennoch schönen Bereich. Es lohnt sich aber auf jeden Fall sehr zeitig am frühen Morgen hier zu sein, bevor die Touristenbusse ankommen…

Im Ort Hrensko gibt es mehrere Parkplätze, die kostenpflichtig sind und wo deshalb direkt einige Mitarbeiter zum einwinken und kassieren bereit stehen. Wir haben für ein Tagesparkticket etwa 5 € bezahlt und dafür eine kleine Karte bekommen, auf der die einzelnen möglichen Wege dargestellt sind. Als wir am späten Nachmittag zurückkehrten, waren die Mitarbeiter weg. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass der Parkplatz bewacht sei…

Vom Parkplatz aus sind wir durch die Edmundsklamm gelaufen, die wirklich sehr schön ist! Hier habe ich auch das erste Mal Sandstein gesehen und angefasst. Ihr werdet lachen, aber da habe ich verstanden, warum das Zeug „Sand“ im Namen hat. Wenn ich das aber auch noch nie vorher aus der Nähe gesehen hatte…

Am Ende der Edmundsklamm kommt man nur mit einer kostenpflichtigen Kahn- bzw. Bootsfahrt weiter. Diese war wieder sehr schön! (Falls ihr dort auch mal hinwollt und einen Hund dabei habt: Hunde dürfen offiziell nur mit Maulkorb in den Kahn.)

Die Wilde Klamm haben wir dann ausgelassen und sind direkt weiter zum Prebischtor gewandert. Auch dieser Bereich war wieder kostenpflichtig, aber bezahlbar. Oben auf dem Felsen gab es verschiedene Aussichtspunkte, u. a. natürlich auf das steinerne und beeindruckende Prebischtor! In dem Gebäude am Eingang ist eine kleine Fotoausstellung untergebracht.

Von hier aus sind wir dann weiter bis zum Parkplatz gelaufen.

Adersbacher Felsenstadt

So wie die Edmundsklamm, ist auch die Adersbacher Felsenstadt sehr touristisch, aber schön. Auch hier lohnt sich wieder eine sehr zeitige Anreise bevor die ganzen Touristenbusse kommen.

Der Eintritt ist bezahlbar (puh, Höhe weiß ich nicht mehr). Eine Broschüre, in der die einzelnen Felsen mitsamt Namen verzeichnet sind, ist inkl. Es gibt sie übrigens auch auf deutsch. Auf einem überschaubaren Rundweg kann man die einzelnen Felsen abgehen, die alle irgendeinen lustigen (haha) Namen haben und durch den man angeblich eine bestimmte Form darin erkennen kann. Nun ja, soweit reichen meine Fantasie und mein Wille nicht. Ich mag Felsen auch wenn ich nicht Omas Stuhl darin erkennen kann.

Ohne Hund könnte man zu einem kleinen See aufsteigen und hier eine Bootsfahrt machen.

Unterwegs könnte man noch weiter zu den Weckelsdorfer Felsen laufen, aber hier wurden Mina irgendwann die Holzstiege zu steil, sodass wir umgedreht sind.

Das Moor Soumarské rašeliniště

Dieser Weg durch das Moor Soumarske raseliniste führt direkt vom Campingplatz Soumarsky Most im böhmischen Wald aus los und ist nur 2,5 km lang. Auf einem Holzsteg und auf trockenen Wegen durchläuft man das Torfmoor. Früher wurde hier viel Torf gestochen, bis dies aus Naturschutzgründen wieder eingestellt wurde. Die Renaturierung braucht noch Zeit und doch sieht man bereits, wie die Natur sich alles zurück erobert! Auf hübschen Schautafeln erklärt ein Zwerg, was hier früher war, wer hier heute lebt und noch so einiges mehr.

Urwald Boubinsky prales – Bergspitze Boubin

Auch hier sind wir beim böhmischen Wald. An einem Stausee, der früher zum Holz flößen genutzt wurde, geht es weiter in den Urwald. Der Urwald Boubinsky prales soll nach und nach immer mehr sich selbst überlassen werden. Der gut ausgebaute Wanderweg führt dementsprechend um ein umzäuntes Gebiet herum.

Wir sind an einer Stelle abgebogen und haben den Weg bis zur Bergspitze Boubin erweitert. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Der Aussichtsturm steht oben auf dem Berg und erhöht damit die Fernsicht vom höchsten Berg des böhmischen Waldes gleich nochmal um einige Meter! Auch der Weg selbst wurde in diesem Teil spannender und gefiel mir besser als beim „Urwald“.

Meine Städte-Highlights

Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich mit Städten sonst eher eine etwas durchwachsene Verbindung pflege. Im Urlaub bin ich eigentlich lieber in der Natur unterwegs. Deshalb werdet ihr hier nun nicht lesen, wo ihr am besten shoppen könnt. Stattdessen erzähle ich euch von hübschen Fassaden an Marktplätzen, schönen Atmosphären und Kunst im öffentlichen Raum!

Budweis

Budweis kennen viele vom Namen her, weil das gleichnamige Bier von hier kommt. Mit der Stadt selbst hatte ich vorher keine Assoziation und dementsprechend null Erwartungen. Umso mehr hat mich die Stadt mit ihrer entspannten Atmosphäre, einem gemütlichen Café in dem ich Lavendeleiskaffee getrunken habe und einer durch die ganze Stadt führenden Skulpturenausstelung beeindruckt.

Jindřichův Hradec

In dieser Stadt mit dem für mich völlig unaussprechlichen Namen Jindřichův Hradec haben wir eigentlich nur gehalten, weil ich beim stöbern nach Attraktionen auf unserem Weg zum nächsten Campinplatz auf den 15. Meridian gestoßen bin und neugierig wurde. An dieser Stelle liegt eine Markierung im Asphalt und kennzeichnet den 15. Meridian, der hier verläuft.

Von hier aus blickte ich in den Hof des Kunstmuseums und sah eine dort frei zugängliche Fotoausstellung.

Am Markplatz ist in einem Laubengang ein kleines Café, das leckeren geeisten Espresso-Tonic im Angebot hat und mit seinen selbstgebauten Tischen aus alten Nähmaschinen-Unterbauten und bunt zusammengewürfelten Stühlen besticht.

Kadan

Auf Kadan wurde ich ebenfalls zufällig aufmerksam, weil ich die Astronomische Uhr sah, die auf dem Weg zum nächsten Campingplatz lag.

Einmal gehalten und einen Blick in die vorbeifließende Eger geworfen, zog es uns dann auch noch in den Innenstadtkern. Eine für mich herrlich ruhig wirkende Stadt, die bisher von den Touristenmassen noch völlig missachtet wird. Bunte Fassaden, kleine Gässchen, nette Leute!

Trautenau

Trautenau bzw. Trutnov ist als größte Stadt des östlichen Riesengebirges schon etwas größer, hat mich aber durch die Kunst im öffentlichen Raum beeindruckt.

An einer Stelle stehen mehrere lebensgroße Panther („die Panther von Trutnov“). Mina war irgendwie am träumen und hat sich furchtbar erschreckt als wir an diesen riesigen Katzenskulpturen vorbei gingen.

Radosov

Dieser Ort ist sehr klein. Auf einem Spaziergang vom Campingplatz aus sind wir an der Eger entlang geschlendert und auf diese Hängebrücke gestoßen. Früher war hier scheinbar viel mehr los: laut den Schautafeln waren die Uferpromenade und die Kurhäuser sehr begehrt. Die prunkvollen, aber mittlerweile verfallenen Fassaden lassen die früheren Zeiten erahnen. An einigen Häusern standen bereits Gerüste und erste Restaurierungsergebnisse waren sichtbar!

eine Hängebrücke führt über einen Fluß. Auf der anderen Flußseite sind verfallene Häuser.

Fazit und Hinweis

Ihr seht, Tschechien hat viel zu bieten! Das Land und die sehr netten Menschen haben mich beeindruckt. Irgendwann möchte ich nochmal hierhin reisen und tiefer in das Land eintauchen.

Meine Zusammenstellung der Highlights stellt meine rein persönliche Meinung dar. Falls es nach Werbung klingt: ich habe alles selbst bezahlt, es gibt keinerlei Kooperation oder sonstige Vergütung.

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