Die Hitze, mein Kreislauf und meine Depression

Die letzte Woche war es so heiß. So richtig sommerlich heiß-heiß. Während ich anfangs noch dachte, dass ich das diesmal erstaunlich gut mit meinem manchmal etwas schwachen Kreislauf verpacke, wurde es meinem Körper zum Ende der Woche hin zu viel. Neben dem allseits verbreiteten Schwitzen, kamen einige andere Kreislaufbeschwerden hinzu, die sehr den bei mir typischen Depressionssymptomen ähnelten. Und schwups, war mein Kopf dabei.

Blick in den blauen, leicht bewölkten Himmel an einigen schwarzen Tannenumrissen vorbei.

Generell reagiere ich auf Temperaturen jenseits der 30 Grad nicht mehr mit sonderlich großer Freude. Klar, solange ich Wasser in der Nähe habe und mich nicht bewegen muss und mir jemand ausreichend koffeinhaltige Getränke reicht, dann gehts. Doch das passiert relativ selten.

Letzten Freitag meinte mein Kreislauf dann, sich erst einmal etwas ausruhen zu müssen. Mir war dauerhaft schwindelig, Übelkeit kam hinzu und eine zermürbende Schlaflosigkeit wegen der warmen Nächte. Das Atmen fiel mir immer schwerer, als wenn etwas Schweres auf meinem Oberkörper sitzt und mich einengt. Dazu noch Herzrasen und generell ein Gefühl, als wenn ich bleischwer wäre. Mit jeder Bewegung musste ich gegen die Hitze, die Luft, die Erdanziehungskraft ankämpfen. Dieser Kampf führte zu angespannte Muskeln im ganzen Körper. Die eigentlich von mir so geliebte Sonne am blauen Himmel wurde mir zu hell, weil meine Augen durch den Schlafmangel lichtempfindlich wurden.

Der Schlafmangel durch die nachts immer noch hohen Temperaturen zermürbte meine Gedanken und schickte sie auf dauerhafte Teufelskreise. Der schwache Kreislauf machte mein Denken eh schon schwerer, doch nun kamen noch die müden und sich im Kreis drehenden Gedanken dazu.

Ich fühlte mich antriebslos, hatte null Energie und verachtete mich für meine Unproduktivität und Nutzlosigkeit. Die Hoffnungslosigkeit breitete sich langsam in mir aus.

Und schon war es da: das Gefühl, mitten in einem Tief zu stecken.

Doch, moment, konnte das überhaupt sein? Wo sollte das überhaupt her kommen? Es gab keinerlei Frühwarnzeichen, keine Auslöser. Nur diese plötzlichen Depressionsgefühle und -empfindungen und die körperlichen Signale, die mich so sehr an die Zeiten des tiefen Tiefs 2013 erinnerten…

Während ich still da lag und meinen Kreislauf erst einmal Kreislauf sein ließ, dachte ich nach. Die Reihenfolge war diesmal falsch. Ich merkte körperliche Symptome, die sich ziemlich ähnlich wie bei meiner Depression anfühlen. Aber die Gedanken, die depressiven Empfindungen, die kamen erst danach!

Meine Psyche hatte also diesmal nicht meinen Körper beeinflusst, sondern genau andersherum.

Mit dieser Einsicht gelang es mir, die Angst vor der Angst vor einem neuen Tief in realistische Bahnen zu lenken.

Das war kein Tief, es fühlte sich nur so an, weil mein Körper sich so anfühlte und meine Psyche direkt Panik bekam, dass es wieder bergab geht, anstatt einfach mal zu sehen, dass es nun mal eine heiße Woche war und gefühlt jede*r unter den hohen Temperaturen litt.

Nach einem erzwungen sehr ruhigen Freitag, beorderte ich am Samstag meinen Kreislauf an den Frühstückstisch, flößte ihm zwei Tassen starken Kaffee ein und überredete ihn mit mir zum Kanal zu fahren. Gemeinsam mit Mina ging es dann bereits zu recht früher (und somit noch kühler) Stunde zum Kanal.

Das tat so gut! Ich habe einige Stunden am und vor allem im kühlen Kanal verbracht. Mein Körper konnte ordentlich runterkühlen. Das Schwimmen und Reinspringen tun mir eh gut, doch diesmal war die Resonanz noch intensiver. Das kalte Wasser, die Freiheit der Bewegung, das plötzliche wieder gute Luftbekommen, das Plätschern des Kanals, die Regelmäßigkeit der Wellen, sobald ein Schiff vorbei fuhr. Ein Traum!

Als gestern dann die Temperatur generell etwas fiel und der Himmel nach Regen aussah, war mein Kreislauf sogar bereit eine Radtour zu unternehmen!

Meine Psyche war sehr angetan davon, dass die körperlichen Signale verschwanden! Wir sind uns nun einig geworden, dass die Angst vor einem Tief unbegründet war.

Als ich Samstag auf Instagram darüber schrieb, dass sich das Wetter negativ auf meine Psyche auswirkt, habe ich einige Nachrichten und Kommentare bekommen. Mir ging es nicht als Einzige so! Etliche andere Menschen hatten ähnliche Symptome und fühlten sich plötzlich auch wie in einem Tief oder auf dem Weg dorthin. Krass, wie sehr unser Körper (bzw. die Reaktionen auf das heiße Wetter) unsere Depressionen anstoßen kann…

Wenn es euch mit eurer Depression (oder sonstigen psychischen Erkrankung) ähnlich ging oder noch geht: ihr seid nicht alleine! Schaut bitte, wie ihr euch selbst etwas gutes tun könnt, um euch die hohen Sommertemperaturen erträglicher zu machen! Vielleicht ein Freibadbesuch oder ein Eimer voll kaltem Wasser und die Füße reinhängen? Oder nasse Lappen auf den Beinen verteilen? Habt ihr vielleicht noch ganz andere Tipps? Schreibt mir gerne unten in den Kommentaren und lasst uns so ein paar Dinge sammeln, die uns bei der Hitze helfen können!

Ganz wichtig: ihr könnt euch jederzeit kostenfrei (innerhalb Deutschlands) an die Telefonseelsorge wenden! Unter den Telefonnummern 0800-1110111 und 0800-1110222 sind sie rund um die Uhr erreichbar!

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Frauke,

    Mit den Temperaturen ging es mir auch wie dir. Ich habe noch allergisches Asthma und bekam noch schlechter Luft.
    Außerdem befinde ich mich eh zur Zeit leider in einer Abwärtsspirale.
    Ich finde es toll,wie fokussiert du deine Symptome wahrnimmst und auch gegensteuern kannst. Hut ab.

    Lg
    Denise

    • Liebe Denise,
      danke für deine Worte und das Teilhaben lassen an deinen Erfahrungen!
      Das mit dem allergischen Asthma ist bei dem Wetter natürlich noch fieser…
      Ich wünsche dir baldige Abkühlung und ausreichend Kraft, um die Abwärtsspirale zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen!
      Liebe Grüße, Frauke

    • Hallo Frauke

      Es tut gut ueber deine Erfahrungen zu lesen.Leider geht es mir momentan sehr schlecht,
      dass ich Mühe habe deinen Taten zu folgen.
      Liebe Grüsse Isabell

      • Liebe Isabell,

        ganz lieben Dank für deine Worte!

        Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass es dir bald wieder etwas besser geht! Außerdem wünsche ich dir ausreichend Kraft weiterhin nach vorne zu schauen und ganz langsam, im genau richtigen Tempo Schritt für Schritt zu gehen. Hast du bereits professionelle Hilfe? Wenn nicht, wende dich bitte schnellstmöglich an deinen Hausarzt, an die Telefonseelsorge (0800-1110111) oder an sonst einen Ansprechpartner mit professionellem Hintergrund! Pass gut auf dich auf, ja?!

        Liebe Grüße, Frauke

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