Mein neuestes Microabenteuer, bei dem ich meine Komfortzone verlassen und mir einen Wunsch erfüllt habe: eine Nacht allein im Wald

Seit ein paar Jahren habe ich den Wunsch einmal alleine im Wald zu übernachten. Nun wünscht sich dieser Wunsch ziemlich einfach, aber ihn in die Tat umzusetzen ist nicht ganz so einfach für mich gewesen. Schließlich müsste ich meine Komfortzone hierfür ganz schon überschreiten: alleine, draußen übernachten, nur ein Tarp (das ist eine große Plane) statt eines Zeltes, nicht die vermeintliche Sicherheit eines Campingplatzes… Doch dieses Microabenteuer reizte mich so sehr, dass ich gestern am späten Nachmittag losgezogen bin! Ich hatte meinen neuen Wanderwagen mit ein paar Dinge für eine Nacht gepackt und ausreichend Wasser abgefüllt. Dazu noch ein paar Mal tief durchgeatmet, allen Mut zusammen genommen, den ich in mir drin finden konnte, und los gings zu meinem Microabenteuer in den Wald!

Frauke lächelt in die Kamera. Hinter ihr sieht man ihr aufgebautes Tarp (beige Plane), eine blaue Bodenplane und ihren roten Schlafsack umhüllt von einem Moskitonetz. Dahinter steht ihr Wanderwagen.

Auch wenn ich seit zig Jahren jedes Jahr zelten gehe, so ist es doch eine andere Hausnummer für mich alleine und nur mit einer Plane eine Nacht draußen zu verbringen. Ein Zelt bietet mir nochmal eine andere Form der „Sicherheit“. Rundherum sind alle Wände geschlossen, ich habe einen Schlafbereich mit Moskitonetz, in 99 % der Fälle hält das Zelt bei Regen dicht (von unten, oben und den Seiten). Ein Campingplatz hat mir bisher auch immer eine gewisse Art der „Sicherheit“ vermittelt: es sind irgendwo Menschen (selbst auf den großflächig und weitläufig angelegten, sind meist irgendwo Menschen), meist ist das Gelände eingezäunt, es gibt für gewöhnlich Sanitäranlagen etc. Doch genau diese Punkte machten für mich nun den Reiz aus um meine Komfortzone zu verlassen, mich ein paar ängstlichen Gedanken im Kopf zu stellen und zu sehen, dass ich mich auf mich alleine verlassen kann.

Ich liebe ja den Wald und spätestens nachdem ich „Into the wild“ gelesen und „Weit.“ gesehen hatte, wollte ich unbedingt mal eine Nacht inmitten der Natur verbringen. Und zwar ungestört durch andere Menschen und deren Geräusche. Nur ich und die natürliche Umgebung des Waldes, mitsamt den ganzen tierischen Bewohnern und deren Geräuschen.

Bild von schräg oben über Fraukes Kopf hinweg auf den vollgepackten Wanderwagen hinter ihr. Sie geht gerade über einen Waldweg mit vielen Tannenzapfen.

Gestern suchte ich mir also einen schönen Lagerplatz und baute dort mein Tarp auf. (Erkennt ihr die Plane wieder? Ich hatte sie früher bei meinem VW Caddy als Vorzeltdach verwendet.) Die letzten Tage habe ich mir diverse Videos angesehen, wie man ein Tarp am besten aufstellt. Doch meine Plane ist scheinbar keine typische Tarpplane. Ihr fehlen einfach ein paar Ösen, sodass ich weniger Heringe und Leinen spannen konnte, als für gewöhnlich empfohlen wird. Doch mit Einbeziehung eines Baumstammes und dank einer sehr windstillen Nacht war auch das kein Problem. Meine Wanderstöcke, die ich als Aufstellhilfe verwendete, stellte ich so hoch ein, dass mein Wanderwagen im unwahrscheinlichen Falle eines Regenschauers möglichst trocken geblieben wäre.

Das Tarp ist in zwischen mehreren Bäumen aufgebaut.

Als Unterlage hatte ich eine stabile Plane eingesteckt. Auf dem weichen Kiefernboden war das super bequem, sodass ich meine Isomatte gar nicht aufpumpte. Ein einfaches Insektennetz bot mir Schutz gegen penetrante Mücken.

Das aufgebaute Tarp von der anderen Seite.

So saß ich dort eine Weile in dem immer dunkler werdenden Wald und lauschte auf die Geräusche um mich herum. In der Ferne rief ein Kuckuck. In der Nähe zwitscherten verschiedene Vögel. Plötzlich fielen zwei Schüsse. Dort war scheinbar ein Jäger unterwegs. Ein Käuzchen meldete sich zu Wort. Und so legte ich mich mit meinem Buch in meinen Schlafsack und las noch eine Weile. Eine Mücke wollte partout nicht akzeptieren, dass uns ein Insektenschutznetz trennt und versuchte es laut brummend eine geraume Zeit.

Irgendwann schlief ich ein. Doch wie auch zuhause im sicheren Bett, wachte ich mehrmals in der Nacht auf. Was mich am meisten erstaunte, war die fehlende Schwärze der Nacht. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass es finster sein müsse. Doch ich sah von meinem Liegeplatz aus noch einige Meter in die Umgebung. Einmal kamen mir ein paar Schreckensbilder diverser Krimi- und Horrorfilme in den Sinn, die ich in früherem jugendlichen Leichtsinn angesehen hatte. Zum Glück schaue ich diese Art der Unterhaltung schon länger nicht mehr und so verbot ich mir weitere Gedanken in diese Richtung.

Als ich heute früh aufwachte, wachte gerade auch der Wald auf. Die Luft war herrlich klar und ich hörte nichts außer den Vögeln um mich herum. Nach einer notdürftigen Katzenwäsche baute ich mein Tarp ab und setzte mich auf die Bodenplane um zu frühstücken. Ich hatte ein Müsli eingesteckt und kochte mir einen heißen Kaffee.

Blickwinkel im Liegen aus dem Tarp heraus im Dämmerlicht.
Tasse Kaffee

Während ich noch dort saß und aufmerksam die Natur um mich herum beobachtete, begann ein Specht am Nachbarsbaum zu hämmern. In der Ferne hörte ich wieder einen Kuckuck. Leider fiel auch wieder ein Schuss, der die Idylle für mich störte.

Langsam packte ich meine sieben Sachen zusammen, belud meinen Wanderwagen und begab mich auf den Heimweg.

Blick über Frauke Schulter nach hinten. Sie zieht ihren Wanderwagen über einen Waldweg.

Mein Microabenteuer hat mir mal wieder gezeigt, dass es sich lohnt seine Komfortzone zu verlassen. Auch wenn ich vorher und auch anfangs noch beim Aufbau ein etwas mulmiges Gefühl hatte, habe ich endlich mal eine Nacht im Wald verbracht und mir damit einen Wunsch erfüllt, den ich seit langem in mir drin hege. Außerdem habe ich es mitten in der Nacht geschafft nicht in den Schreckenbildern meines Gedächtnisses hängen zu bleiben, sondern habe ich mich auf das Hier und Jetzt konzentriert, sodass ich wieder einschlafen konnte. Das Glücksgefühl beim morgendlichen Kaffeetrinken war herrlich!

[Die Fotos stammen alle von meiner Handykamera. Also bitte nicht über die Qualität wundern…]

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frauke,
    alle Wetter, dazu gehört viel, viel Mut! Und wenn ich die Bilder anschaue und Deinen interessanten Bericht lese, dann sogar ohne (!) Mina als Schutz.
    Was bist Du im Laufe der langen Zeit, die wir uns inzwischen kennen, so mutig und selbstsicher geworden!
    Mach weiter so, dann kann, wenn Deine Psyche mal wieder wackelt, die Erinnerung an dieses Ereignis Dir gewiss helfen.
    Liebe Grüße
    Deine Ingrid

    • Danke liebe Ingrid, für deine lieben Worte!
      Ja, da hast du recht. Nun kennen wir uns schon eine ganze Weile und da hat sich echt viel getan… Mein Mut zur Übernachtung überrascht mich selbst etwas, aber es fühlt sich sehr sehr gut an 🙂
      Liebe Grüße, Frauke

  2. Ich hätte das nicht geschafft!! Ich bin so ein Angsthase und im Wald erst recht. Da muss ich meine Komfortzone manchmal schon tagsüber verlassen um in einen Wald zu gehen.

    Aber umso schöner, hast du dir deinen Wunsch erfüllen können. Ich finde das voll mutig und bin echt auch stolz auf dich <3

    Liebe Grüsse Chantal

    • Liebe Chantal,
      wäre der Wunsch von mir nicht so groß gewesen, hätte ich es bestimmt auch nicht geschafft 🙂 Ich denke noch sehr gerne an diese schöne Nacht im Wald zurück!
      Danke für deine lieben Worte!
      Liebe Grüße, Frauke

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