Ein Wochenende mit ganz viel Raum für erwachsene Geschwister von behinderten oder chronisch kranken Menschen

Letztes Wochenende war ich in Wettin. Das ist in der Nähe von Halle (Saale). Vor ein paar Wochen entdeckte ich durch Zufall, dass hier ein Peer2Peer-Workshop für erwachsene Geschwister stattfinden soll. Nachdem ich ziemlich zügig abklärt hatte, wo Mina an dem Wochenende bleiben könnte, habe ich mich kurzerhand angemeldet und war so was von neugierig, was und wer mich dort erwarten würde.

Durch ein paar vorab geführte Telefonate mit einer der Organisator*innen, erfuhr ich, dass sich Schwestern und Brüder von behinderten und chronisch kranken und/oder verstorbenen Geschwistern angemeldet hatten. Außerdem sprachen wir über mögliche Fahrgemeinschaften, damit möglichst alle Teilnehmer problemlos anreisen könnten.

Mit einiger Vorfreude, aber auch ziemlicher Nervosität vor der unbekannten Situation, den neuen Menschen und überhaupt dem ganzen Wochenende fuhr ich Freitagvormittag los und sammelte nacheinander zwei andere Schwestern ein, die auch mit zu dem Geschwister-Wochenende wollten. Wie es sich für einen Freitag gehört, standen wir einige Zeit im Stau und eine der beiden kam etwas später zum vereinbarten Treffpunkt, weil ihr Zug natürlich Verspätung hatte. Die längere Fahrtzeit nutzten wir aber ausgiebig zum beschnuppern und Nervosität abbauen.

Die Begrüßung vor Ort war sehr fröhlich und das erste Kennenlernen der anderen Geschwister ziemlich schnell ziemlich nett. Das ganze Wochenende über haben wir uns immer offener unterhalten und ausgetauscht. Mit ein paar Übungen und Aufgaben kamen wir immer mehr ins Gespräch. Bei einem Walk&Talk am Samstagnachmittag haben wir einige Themen in zweier Gesprächen unter freiem Himmel besprochen. Die Bewegung gepaart mit dem mal trockenen Himmel tat total gut. Abends haben wir sogar noch ein Lagerfeuer angefacht. Ich liebe Lagerfeuer!

Als ich die zwei Schwestern, die ich am Freitag auf dem Hinweg eingesammelt hatte, auf dem Rückweg wieder absetzte, war es eine sehr seltsame Situation. Einerseits waren wir doch gefühlt erst vor einer Stunde hier losgefahren. Andererseits waren die zwei mir plötzlich so vertraut, als wenn ich sie schon einige Jahre kennen würde.

So ein Heft hat jede*r für sich gestaltet und den Samstag über mit Inhalt gefüllt.

Am Wochenende gab es sehr viele sehr unterschiedliche Menschen mit ebenso vielfältigen (Lebens-)Geschichten. Ihr könnt euch denken, dass ich hier nicht näher in die Details gehen möchte, da die Atmosphäre sehr durch Vertrauen geprägt war und dort gesagtes, auch dort bleiben wird.

Was ich euch ans Herz legen möchte und warum ich diesen Beitrag schreibe

Mir hat das Wochenende unglaublich gut getan. Innerhalb kürzester Zeit waren wir eine sehr offene und herzliche Gruppe, wo es zwischendurch mal ernster zuging, wo aber auch viel gemeinsam gelacht wurde. Wir haben sehr gut gemeinsam harmoniert, obwohl wir uns ja bis Freitag gar nicht kannten. Die Organisator*innen haben eine wunderbare Atmosphäre geschaffen und z. B. die oben auf dem ersten Bild zu sehende Hängematte aufgehängt.

Klar, ich kann auch mit meinen Freunden über einige oder eher sogar ungefähr alle Punkte sprechen. Aber der Austausch von Geschwister zu Geschwister (peer to peer) ist nochmal etwas anderes, weil der*die Gegenüber meist aus eigener Erfahrung weiß oder zumindest sehr gut erahnen kann, wie eine Situation oder Emotion oder oder oder für einen selbst war/ist. Die Erfahrungen der anderen Geschwister mischten sich mit meinen Erzählungen. Wir konnten einander sehr wertschätzende Dinge mit auf den Weg geben und uns gegenseitig mit einem offenes Ohr zuhören, aber auch Mut machen oder uns bestärken, wenn wir irgendwo unsicher waren.

Die aufeinander abgestimmten und toll begleiteten Übungen, das gemeinsame Beisammensein und die Wohlfühlatmoshäre waren die idealen Rahmenbedingungen für mich um mich auszutauschen und einige Gedankenanstöße mitzunehmen. Es gab natürlich auch Momente, die mir sehr nahe gingen oder wo ich mich zurück ziehen musste, aber genau das war vollkommen okay. Die Hängematte tat mir hierbei sehr gut, genauso wie die morgendliche kurze Yogaeinheit, die wir in sehr kleiner Runde spontan gemacht haben.

Das Wochenende war kein Erholungs- oder Kurzurlaub, aber der Austausch tat unglaublich gut und die vielfältigen Menschen und ihre jeweils eigenen Geschichten haben mich inspiriert. Ich fühlte mich sehr schnell sehr aufgenommen und habe mich in etlichen geschilderten Punkten wieder erkannt.

Wenn ihr also auch Geschwister seid, schaut mal, ob so ein Angebot speziell für Geschwister vielleicht auch was für euch wäre. Wenn ihr jemanden kennt, dann empfehlt solche oder ähnliche Veranstaltungen gerne weiter und berichtet von meinen Schilderungen. Angebote extra für erwachsene Geschwister findet ihr z. B. bei der Stiftung Familienbande oder bei den Erwachsenen Geschwistern. (Die Erwachsenen Geschwister habe ich euch hier schon einmal vorgestellt.)

Für jüngere Geschwister oder auch andere Hintergründe oder Lebenssituationen gibts immer mehr Angebote. Sucht einfach mal im Internet nach Menschen, die das selbe oder gleiche bewegt wie euch.

Denn: wir sind nicht allein, egal womit!

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frauke,
    einen sehr detaillierten und motivierenden Bericht hast du über unser gemeinsames Wochenende geschrieben. Habe mich sehr darüber gefreut und wünsche dir viel Erfolg bei deinen Plänen…

    Herzliche Grüße
    Christine

    PS: Ich habe meinen Familienname geändert und heiße nicht mehr „Klomann“, sondern „Heinß“.

    • Hallo Christine,
      vielen Dank für deine lieben Worte 🙂
      Es war wirklich ein sehr schönes Wochenende mit Euch!
      Liebe Grüße, Frauke

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