In der zweiten Reihe – ich erzähle beim SWR Nachtcafe von meinen Erfahrungen als Schwester einer Frau mit Behinderung

SWR Nachtcafe In der zweiten Reihe Frauke Gonsior Schattenkind Geschwister behindert

Hin und wieder fordert mich das Schicksal, oder wie in diesem Fall der Anruf eines Redakteurs des SWR Nachtcafes, dazu auf, meine Komfortzone zu verlassen und etwas zu machen, wozu mir eigentlich der Mut fehlt. Als mein Telefon klingelte und ein sehr sympathischer Redakteur anfragte, ob ich zum Thema „In der zweiten Reihe“ etwas zu meinem Geschwisterthema erzählen möchte, war mein erster Gedanke: „Ich in einem Filmstudio?? Äh… NEIN!“ Doch mein zweiter Gedanke lautete bereits: „Ach, wieso eigentlich nicht mal etwas ausprobieren, vor dem ich totalen Schiss habe!?!“. Und so kam es dazu, dass ich in der aktuellen Folge vom SWR Nachtcafe über meine Erfahrungen als Schwester einer Frau mit Behinderung spreche.

SWR Nachtcafe In der zweiten Reihe Frauke Gonsior Schattenkind Geschwister behindert

SWR Nachtcafé „In der zweiten Reihe“, 30.11.2018
© SWR / Peter A. Schmidt

Mit mir zusammen saßen dort sehr interessante und inspirierende Gäste: Jenny Frankhauser (Schwester von Daniela Katzenberger), Werner Schempp (Protokollchef unter fünf Ministerpräsidenten Baden-Württembergs), Birgit Rodler (als die Firma, in der sie 25 Jahre lang gearbeitet hatte, insovent ging, übernahm sie diese), Ludger Pistor (Schauspieler), Dr. Mathias Jung (Psychotherapeut) und natürlich der Moderator Michael Steinbrecher.

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SWR Nachtcafé „In der zweiten Reihe“, 30.11.2018
© SWR / Peter A. Schmidt

Das liest sich jetzt so locker, aber ich war vorher schon mächtig nervös. Wann fährt man schon mal nach Baden-Baden zu einer Fernseh-Aufzeichnung? Noch dazu, wenn man eher kamerascheu ist. An Interviews für Radio und Printmedien habe ich mich in diesem Jahr ja schon etwas gewöhnt, aber Fernsehen ist dann doch noch mal eine andere Nummer für mich!

SWR Nachtcafe In der zweiten Reihe Frauke Gonsior Schattenkind Geschwister behindert

SWR Nachtcafé „In der zweiten Reihe“, 30.11.2018
© SWR / Peter A. Schmidt

Aber die Freude hat überwogen und so fuhr ich am Donnerstag nach Baden-Baden. Damit ich mich auf der Zugfahrt nicht selbst noch nervöser mache, habe ich mir ein paar Tropfen Lavendelöl auf meinen Schal getropft und den die ganze Zeit über anbehalten. (Lavendelöl beruhigt mich sehr gut und hilft mir auch sonst an angespannten Tagen bzw. schlaflosen Nächten.) Außerdem habe ich mir vorher überlegt, was ich anziehen möchte, sodass ich mich wohl fühle und authentisch bin. Deshalb sitze ich in der Talk-Runde auch in meinen Barfußschuhen und mit bunten Socken. Alles andere wäre zu sehr Verkleidung für mich gewesen und hätte mich nur noch mehr nervös gemacht…

Als ich in Baden-Baden ankam, verflog meine Aufregung immer mehr. Das Team vor Ort war mega nett, genauso wie die anderen Gäste! In der Maske wurde ich sehr passend für mich dezent geschminkt. Im Wartebereich gab es extra ein paar vegetarische Schnittchen und Kaffee für mich, weil die Aufzeichnung zu einer für mich schon sehr späten Uhrzeit startete… Mit den anderen Gästen kam ich super ins Gespräch und so verplauderten wir die Zeiten zwischen Maske, Tonprobe und so weiter. Als ich die etwas naive Frage stellte, wie viele Zuschauer denn im Publikum sitzen würden, rechnete ich mit einer überschaubaren Zahl. Doch man soll nur Fragen stellen, mit deren Antwort man auch Leben kann, und so rutschte mir mein Herz ordentlich in die Hose, als die Redakteurin „80“ sagte. In meinem Kopf überschlugen sich meine geschätzten Zahlen für Kamera, Ton, etc. plus Zuschauer im Studio plus Zuschauer später bei der Ausstrahlung. Ups, öhm. Ja. Ach schön, ein Glas Sekt, ja, sehr sehr gerne, das brauche ich jetzt wirklich.

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Die Aufzeichnung ging gefühlt total schnell rum. Michael Steinbrecher führte sehr toll durch die verschiedenen Aspekte der einzelnen Gäste zum Thema „In der zweiten Reihe“ und die Geschichten waren alle sehr unterhaltsam und spannend für mich. Weil ich die letzte Interviewpartnerin war, konnte ich ausreichend ankommen, atmen und mich auf das Hier & Jetzt konzentrieren. Dank der hellen (und sehr warmen) Scheinwerfer blendete ich die hohe Anzahl an Publikum vor Ort einfach aus und achtete nur auf den Applaus als ganzes und nicht in Anbetracht einer Personenzahl.

Sobald die Kameras ausgingen, war mein Kopf leer und ich hatte keinen blassen Schimmer mehr, was ich erzählt hatte… Auch wenn mir die anderen sagten, dass ich das super gemacht hätte, blieb ein komisches Gefühl, doch hoffentlich nichts blödsinniges von mir gegeben zu haben. Nach der Aufzeichnung sind wir alle zusammen essen gegangen und haben so den aufregenden Tag ausklingen lassen.

Die Nacht im Hotel war trotzdem sehr kurz, weil ich noch so überdreht von all den äußeren und inneren Reizen war. Nach etwa 4 Stunden Schlaf war ich wieder wach. Was natürlich gestern Abend dazu führte, dass ich die Ausstrahlung ernsthaft verschlafen habe… Meine Augen sind einfach zugefallen und ich konnte nichts mehr dagegen tun! Heute Morgen habe ich mir dann noch vor dem Frühstück die Sendung mit angehaltenem Atem angesehen. Es ist schon komisch, mich selbst zu sehen! Auch wenn ich hinterher sehr beruhigt war, dass ich schon ziemlich souverän geantwortet habe, ist natürlich nur ein kurzer Ausschnitt meiner Erfahrungen möglich gewesen. Wenn ihr nun neugierig auf weitere Schwestern-Themen geworden seid, lest gerne mal hier oder hier in andere Texte von mir hinein!

Die Sendung findet ihr übrigens in der Mediathek zum Anschauen! 🙂

Eigentlich hatte ich euch bereits gestern noch vor der Ausstrahlung von der Sendung erzählen wollen. Doch wie das ja manchmal so ist, war ich viel zu platt dafür und auch heute brauchte ich ein paar Stunden um den einsetzenden Gesellschaftskater auszukurieren. (Zu viele äußere Reize, zu viele Menschen, zu viele egal-was und zu wenig Zeit-für-mich verursacht bei mir mitunter Symptome eines Katers, ohne dass ich einen Tropfen Alkohol getrunken habe.)

SWR Nachtcafe In der zweiten Reihe Frauke Gonsior Schattenkind Geschwister behindert

SWR Nachtcafé „In der zweiten Reihe“, 30.11.2018
© SWR / Peter A. Schmidt

Einen ganz lieben Dank an das tolle Team vom SWR Nachtcafe! Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich Teil eurer Sendung sein durfte! Vielen Dank für eure Offenheit, die Organisation und überhaupt den ganzen Tag! Natürlich vielen Dank für die tollen Fotos, die ich auch hier verwenden darf. Vielen Dank auch an die anderen Gäste für ihre persönlichen Geschichten und den Mut, diese öffentlich zu erzählen! Und vielen Dank für all die positiven Reaktionen, die ich bereits auf den verschiedensten Wegen von euch erhalten habe <3

[Anmerkung: Ich bin vom SWR Nachtcafe nach Baden-Baden eingeladen worden. D. h. mir sind keine Kosten entstanden und ich erhalte eine kleine Aufwandsentschädigung. Dieser Beitrag ist komplett auf meinen eigenen Mist gewachsen und spiegelt nur meine eigenen Erfahrungen wider. Sollte dies trotzdem als Werbung gelten, kennzeichne ich diesen Text hiermit als Werbung.]

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frauke
    Ich habe mir die Sendung angesehen und als ich zu meinem Mann sagte da kommt gleich die Frauke (weißte noch die mit dem Blog etc)😉hat er gleich mitgeschaut. Das du nervös warst kann ich mir vorstellen, ich hätte mir auch in die Hosen gemacht aber man hat es Dir nicht angemerkt! Also alles super gemacht.
    Eine schöne Adventszeit und liebe Grüsse
    Nina
    P.s sehr schöne Aufnahmen von Dir

    • Liebe Nina plus Mann 🙂
      Oh, wie süß ihr seid! Ganz lieben Dank für deine/eure Worte!
      Die Tage waren spannend und anstrengend, deshalb tun solche Rückmeldungen gerade sehr gut <3
      Ich wünsche dir/euch auch eine schöne Adventszeit!
      Liebe Grüße, Frauke

  2. Wow, Respekt, dass du dich das getraut hast! Wusstest du wenigstens ungefähr, was du gefragt wirst oder hat sich das dann erst ergeben? Du kommst jedenfalls sehr souverän rüber!
    Viele Grüße Lily

    • Liebe Lily,
      ganz lieben Dank für deine lieben Worte!
      Es gab vorher ein Telefonat mit einem Redakteur, in dem wir einige Punkte besprochen haben. Doch die genauen Fragen oder Themenbereiche wusste ich vorher nicht! Das kam alles sehr spontan.
      Liebe Grüße, Frauke

  3. Liebe Frauke,

    ein ganz toller, sympathischer und starker Auftritt! Ich habe mir den Ausschnitt gerade in der Mediathek angeschaut. Danke, dass du dich traust, deine Erfahrungen und Einsichten öffentlich zu teilen. Das macht vielen Menschen Mut und ist eine große Inspiration!

    Liebe Grüße
    Katharina

    • Liebe Katharina,
      vielen Dank für deine positiven Worte <3 Nach der ganzen Aufregung der letzten Tage sind meine Emotionen ordentlich Achterbahn gefahren... Da tun die lieben Worte hier sehr gut!
      Ganz liebe Grüße, Frauke

  4. Liebe Frauke,
    ich habe mir die Sendung auch angesehen, früher gehörte das „Nachtcafé“ (seinerzeit noch mit Wieland Backes) zu meinen Lieblingssendungen, inzwischen ist es mir einfach zu spät…
    Aber sowohl das Thema als auch natürlich eine Protagonistin zu „kennen“ haben mich dieses Mal sehr neugierig gemacht.
    Du hast sehr, sehr viel geleistet in Deinem Leben und für Deine Familie und Du hast darüber so
    ehrlich und offen berichtet, dass Du total souverän, sympathisch und authentisch „rübergekommen“ bist. Hut ab, das war echt mutig. In jeder Beziehung!
    Und jetzt einen hoffentlich ruhigen Advent mit vielen schnen Momenten!
    Alles Gute Dir! Anja

    • Liebe Anja,
      ganz lieben Dank für deine Worte!!!
      Ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Advent,
      liebe Grüße, Frauke

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