Roadtrip mit Zelt und Hund durch Polen, die Slowakei und ein paar Kilometer Ungarn – Teil 1 Polen –

Polen Straße

Während es draußen Bindfäden regnet, bekomme ich Urlaubsfernweh… Vor mittlerweile fast 2 Monaten endete mein diesjähriger Sommerurlaub. 4 Wochen, 2,2 Länder und knapp über 2.000 km lagen hinter mir. Während es in Deutschland fast die komplette Zeit über 30 Grad heiß war, war es in meinem Urlaub bis auf die letzten Tage in Ungarn angenehm sommerlich warm (sprich: etwas unter 30 Grad) und es gab sogar hin und wieder etwas Regen!

Weil ich insgesamt so viel gesehen und erlebt habe, teile ich den Urlaubsrückblick in 2 Teile auf. Heute nehme ich euch mit durch Polen 🙂

Mescherin

Von Dortmund aus bis Danzig durchfahren war mir zu weit (Urlaub ist schließlich Urlaub), deswegen haben wir eine Zwischenübernachtung in Mescherin an der polnischen Grenze gemacht. Von hier aus war es am nächsten Morgen nicht mehr weit bis zum Krzywy Las, dem krummen Wald. Auf verschiedenen Fotos hatte ich ihn gesehen und wollte hier gerne einmal anhalten. Leider merkt man, dass die krummen Bäume beliebt sind: der nicht allzu große Platz mit den speziellen Bäumen ist etwas verdreckt. Es hängen zwar überall Hinweisschilder auf Videoüberwachung, aber ich selbst habe keine Kamera gesehen und scheinbar nutzen sie nicht gegen den touristischen Müll.

Polen Krummer Wald

Von hier aus ging es weiter Richtung Danzig. Auf dem Weg dorthin fuhr ich zum ersten Mal über polnische Straßen. Anfangs habe ich noch die 1- bis 3-stelligen Hauptstraßen benutzt, einfach um die Strecke bis Danzig zu fahren. Im Laufe der nächsten Wochen änderte sich das sehr schnell und ich fuhr so gut es ging auf unnummerierte Straßen (also richtige Dorfstraßen) oder maximal 3-stellige Hauptstraßen. Auf den gut ausgebauten Hauptstraßen sieht die Straße halt aus wie eine Straße und bei 90 km/h saust die Landschaft zu schnell an mir vorbei. als dass ich sie überhaupt richtig wahrnehmen könnte.

Stellt euch einfach vor, wie ich mit heruntergekurbelten Fenstern (ja, meine Fenster muss man noch per Hand kurbeln), polnischem Schlagerradio (von dem ich natürlich kein Wort verstand) und mit etwas 30 km/h durch die polnischen Orte zuckelte. Regelmäßigen überholten mich Einheimische mit den erlaubten 50 km/h oder manchmal auch schneller. Gerade im Norden von Polen kam ich so regelmäßig über kilometerlange Kopfsteinstraßen.

Polen Landstraße Kopfsteinpflaster

Polen Landstraße

Polen Straße

Polen Ausblick

Am Wegesrand standen häufig buntgeschmückte Kreuze:

Polen Kreuz

So kam ich sehr gemächlich voran in Richtung Süden und konnte mir die Ortschaften gemütlich ansehen. Im Norden waren es meist noch sehr einfach Bauerndörfer, wo gefühlt die Menschen wie vor einigen Jahrzehnten leben. Umso weiter es in den Süden ging, um so kleiner wurden die Felder, um so größer wurden die Orte und umso reicher wurden auch die Häuser.

Streetart Polen

In fast jedem Ort gab es mindestens ein Storchenpaar, meistens waren es aber sogar mehrere Paare. Generell soll es in Polen über 50.000 Paare geben! Aus meiner Storchenbegeisterung heraus ist übrigens auch mein neues Wohnzimmerbild entstanden.

Polen Storch

Ich habe die Menschen übrigens als sehr offen kennengelernt. Auf den Campingplätzen, wo wir waren, waren meist überwiegend nur Einheimische. Die Besitzer oder zumindest die Person vorne an der Schranke sprach fast nie Englisch und schaute mich deshalb meist etwas verhalten an. Doch ich hatte mir bereits zuhause mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms mein Anliegen auf einem Zettel notiert, den ich an jedem Platz herausholte und der Person vor zu mir lesen gab. Auch, wenn es vermutlich ein sehr holperiges polnisch war, war nun klar, dass ich hier gerne mit Zelt und Hund übernachten möchte, ich wissen wollte, was das kostet und mich für die Hilfe bedanke. Binnen Sekunden zauberte dieser kleine Zettel ein Lächeln auf die Lippen und mit Hand und Fuß verständigten wir uns. Der Preis wurde mir häufig einfach aufgeschrieben und ich bezahlte die Summe in Zloty.

(Stellen wir uns diese Situation kurz auf einem deutschen Campingplatz vor. Ein ausländischer Campinggast kommt auf den Platz und überreicht dem Besitzer einen Zettel in schlechtem Deutsch, wo er sein Anliegen vorbringt. Ich kann mir in den meisten Fällen nicht eine annährend solch herzliche Reaktion vorstellen, wie ich sie in Polen erlebt habe.)

Polen Badesee

Bevor ich losgefahren war, hatte ich mich über die Vorschriften wg. Hunden versucht einzulesen. Die Meinungen gingen über die Hundefreundlichkeit weit auseinander und dementsprechend verunsichert war ich anfangs. Doch das legte sich schnell. Auf den Dörfern gibt es die typischen Ketten- oder Zwingerhunde, die den Hof beschützen sollen, genauso wie die typischen freilaufenden Dorfhunde, die einfach alleine Gassigehen. Auf den Campingplätzen, wo wir waren, liefen Hunde ebenfalls fast immer frei herum. Ich habe anfangs geschaut, wie die anderen Hundebesitzer es handhaben, und mich dann dementsprechend verhalten. Mina freundete sich schnell mit anderen Hunden an und das sonst übliche Angebelle untereinander fiel weg. Einfach, weil sich alle frei und ungezwungen bewegen konnten. (Bis auf 2 Plätze war Mina auch immer kostenfrei.)

An einem Platz waren die Leute schon fast zu freundlich: es war an einem Wochenende, wo meiner Erfahrung nach viele Polen mit Freunden und Familie gerne auf Campingplätze an Seen fahren, dort ihre Zelte aufbauen (ja, auch viele ältere Mitbürger) oder in einfach Wohnwägen anreisen und gemeinsam eine schöne Zeit mit Grillen, Musikhören (…nicht immer ist die Lautstärke für mich angenehm gewesen…) und schwimmen verbringen. Mina hatte ziemlich fix raus, dass überall nette Mitmenschen an den Grills stehen. Bis ich sie wieder an der Leine hatte, hatte sie sich einiges an Essen erbettelt und freudestrahlend verschlungen.

Die Campingplätze waren überwiegend einfach gehalten und meist sehr sauber. Auf einem Platz an einem See gab es wegen der Abgeschiedenheit nur die polnische Variante von Dixi-Klos. Aber hier fuhr jeden 2. Tag ein Reinigungswagen durch und so waren die Dinger soooo sauber, wie ich das bei Dixis noch nie gesehen habe. Auf einem anderen Platz gab es Duschen, die von Außen aussahen wie Dixis. Hin und wieder gab es auch mal feste Duschzeiten: morgens und abends jeweils 1 oder 2 Stunden, dafür aber kostenfrei.

Ich hatte immer einen Kanister mit Wasser dabei, weil es nicht an jedem Campingplatz Trinkwasser gab oder es nicht immer schmeckte. Auch gab es nicht immer eine Spülküche, wie ich das von Deutschland oder auch aus den letzten Urlauben in Schweden und Kroatien kenne. Doch irgendwie geht es ja immer!

Polen Campingplatz

Polen Minas Hundepfoten Polen See Sonnenuntergang

Auf unserem Weg haben wir einige Agroturystyka (zu deutsch: Agrotourismus / so ähnlich wie Urlaub auf dem Bauernhof) gesehen und auch bei zweien übernachtet. Bei dem untenstehenden haben wir für recht kleines Geld auch noch ein sehr leckeres Abendessen aus eigenem Anbau bekommen! Bei dem anderen Platz waren die Preise etwas höher und es gab nur ausländische Touristen mit hochwertigen Reisemobilen. Auf jeden Fall eine Art der Übernachtung, die ich in kommenden Urlauben weiter ins Auge fassen werde!

Polen Agrotursistika

Während wir von Campingplatz zu Campingplatz zuckelten, schaute ich immer auf googlemaps nach möglichen Attraktionen in der Nähe. So stieß ich auch auf Pochylnia Buczyniec. Hier werden auf etlichen Kanal-Kilometern Länge die Boote mit Seilwinden befördert, anstatt das hier Schleusen gebaut wurden. Also sie fahren immer ein Stück ganz normal im Wasser, bis es wieder einige Höhenmeter zu überwinden gilt. Dann fahren sie in eine solche Konstruktion hinein und werden mit Seilen auf die nächste Wasserstufe gezogen.

Polen Pochylnia Buczniec So bin ich auch auf diese Waldkapelle in einem Felsen gestoßen und einige Tage später auf das Lavendelfeld Ogrod Pelen Lavendy. Laut Internet sollte man hier für Parken und Eintritt zahlen, doch scheinbar weil es mitten in der Woche war, war dort niemand und ich konnte mich kostenfrei umsehen. Stellt euch kurz den umwerfenden Lavendelduft des Feldes vor…

Polen Skalna Kapliczka sw. Rozalii Kapelle

Polen Lavendelfeld Ogrod Pelen Lavendy

Wenn ich durch größere Orte kam, schaute ich mich auch manchmal etwas um. Ich bin ja nicht so der Stadtfan, aber überschaubare Orte haben durchaus ihren Reiz für mich. Doch um die großen Städte habe ich bestmöglich einen Bogen gemacht. Nur in Danzig und Krakau habe ich angehalten. Die Stadtcampingplätze waren natürlich direkt teurer und unschöner. Und irgendwie laufe ich doch lieber durch kleinere Orte…

Polen Streetart

Polen Tomaszow Mazowiecki

Polen Danzig Häuserfronten

In Krakau haben es mir der Aussichtsberg Kosciuszko’s Mound, der Grüngürtel um die Altstadt und der kleine Markt Stary Kleparz sehr angetan:

Polen Krakau Krakus Mound Polen Krakau Polen Krakau Grüngürtel um die Altstadt Polen Krakau Stary Kleparz Markt

Doch ich habe mich nicht nur mit googlemaps orientiert, sondern auch immer die Augen nach touristischen Hinweistafeln offen gehalten. So stieß ich z. B. auf die Route der Holzarchitektur Szlak Architektury Drewnianej und folgte ihr ein Stück. An dieser Kirche hatte ich gerade Fotos gemacht und mich danach in den Schatten meines Autos gesetzt um mir noch einen Kaffee auf dem Gaskocher zu kochen, bevor es weitergehen sollte. Auf den bis dahin autoleeren Parkplatz rollte plötzlich ein Auto mit einem hipstermäßigen Pärchen und einer augenscheinlich teuren Fotoausrüstung. Wir kamen schnell auf Englisch ins Gespräch und die beiden erzählten, dass sie Fotografen aus dem Ort sind, die hier gleich eine Hochzeit fotografieren werden. Und während wir noch quatschten und mein Kaffee auf dem Gaskocher brodelte, füllte sich der Parkplatz mit Autos und einem vollbesetzten Reisebus. Staunend schauten wir uns alle gegenseitig an. So richtig einordnen konnte mich ja niemand, wie ich da in sommerlichen Freizeitklamotten mit Kaffeebecher stand, während sich um mich herum die schicke Hochzeitgesellschaft sammelte. Nachdem ich einen Blick auf die Braut geworfen hatte, habe ich sie dann auch alleine feiern lassen und bin weiter gefahren.

Polen Holzarchitekturroute szlak architektury drewnianej

Generell hat mich überrascht, wie „gut“ ich dann doch Englisch spreche. Mein Wortschatz ist verschwindend klein und seit der Schulzeit nicht mehr in Gebrauch. In Polen sprachen aber wenn überhaupt nur die jüngeren Menschen englisch und diese hatten (bis auf einige richtig gute Ausnahmen!) ungefähr meinen Wortschatz. Auch die wenigen anderen Touristen, die wir trafen, waren meist keine englischen Muttersprachler (und die anderen haben dann meist sehr gut auf mich Rücksicht genommen) und so sprachen wir alle sehr langsam und holperig. Doch genau das führte dazu, dass ich viel verstand und auch mehr mitteilen konnte, als ich gedacht hätte. Im Zweifelsfall halfen hier Hand und Fuß und ganz selten mal ein Übersetzungsprogramm weiter.

Essen haben wir häufig selbstgekocht oder gegrillt. Die Lebensmittel sind nur geringfügig preiswerter als bei uns, aber das frische Obst und Gemüse kamen mir sehr viel hochwertiger vor. Die Tomaten schmeckten noch nach Tomaten und so gab es sehr häufig Tomatensalat. Die paar Male, wo wir Essen waren, war es jedes Mal grandios lecker und einiges preiswerter als bei uns. In Anbetracht des geringen Lebensmittelpreisunterschiedes können wir uns kurz ausrechnen, wie hoch dann wohl der Lohn des Personals war. Das fast überall angebotene Softeis in Hülle und Fülle und Farbe und Geschmacksrichtung habe ich auch das ein oder andere Mal probiert. Genauso haben es mir die Zapiekanka angetan. Das sind mit Champignons belegt und mit Käse überbackene Baguettes. Dazu üblicherweise Ketchup oder verschiedenste Mayonnaisen oder anderen Soßen nach Wahl. Als typisches Fastfood gab es das an fast jedem Imbiss in unterschiedlicher Qualität und wanderte dementsprechend oft in meinen Magen… In Plock habe ich handgemachtes Zapiekanka gefunden und das schmeckte, oh Überraschung, natürlich noch mal besser.

Polen Tomatensalat

Polen Plock ZapiekankaAch, ich könnte euch noch so viel erzählen. Der Weg von Nord nach Süd durch Polen war sehr schön, abwechselungsreich, herzlich und immer wieder anders. Nicht alles war toll, aber sehr sehr vieles. Dafür, dass ich Polen als Reiseland bisher nicht so auf dem Schirm hatte, hat es mein Herz schnell erobert. Ich habe viel vom Land gesehen, fernab der typischen Touristenziele (wie z. B. den Masuren). Häufig sah ich tagelang nur Einheimische und kaum Touristen. Doch das machte diese Zeit auch sehr authentisch. Selbst auf den sehr einfachen (in den Augen von einigen Menschen evtl. ärmlichen) Campingplätzen war es gemütlich und irgendwie echt. Im 2. Teil des Reiserückblicks nehme ich euch mit durch die Slowakei und ein paar Kilometer mit nach Ungarn. Hier werdet ihr sehen, dass sich das bald ändern sollte. Nicht negativ, sondern einfach anders.

Polen Ausblick

Irgendwann in der kommenden Zeit folgt der 2. Teil 🙂

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.