Von großen und kleinen Träumen, die eigentlich Ziele sind, und von Glaubenssätzen, die mich an der Umsetzung hindern wollchen

Ente im See

Ich bin ein Mensch, der Träume braucht. Große, entfernte, fast nicht greifbare Träume. Und kleine Träume, die sich manchmal nebenbei erfüllen und manchmal sehr überraschend. Ohne diese Träume fehlt mir ein Antrieb, etwas für das es weiter zu machen lohnt. „Träume“ sind bei mir fast gleichzusetzen mit „Zielen“.

Als ich Anfang letzter Woche mit einer Frau in einem bis dahin eigentlich sehr oberflächlichen Gespräch plötzlich über Träume sprach, war sie nach kurzer Zeit fassungslos, weil ihr partout kein Traum einfallen wollte. Auf Instagram habe ich davon erzählt und sehr interessante und vielfältige Kommentare zu Träumen bekommen.

Mich hat das Thema die letzten Tage sehr beschäftigt und ich habe einige Zeit intensiv darüber nachgedacht, welche Träume ich habe, was sie für mich bedeuten, welche ich bereits in die Tat umgesetzt habe und was mich eigentlich daran hindert, Träume Realität werden zu lassen.

Ente im See

Von großen Träumen

Ich habe einen großen Traum. Schon lange träume ich von einer mehrmonatigen Reise. Ich kann diesen Traum nicht näher greifen. Fast, als wenn er ein bißchen zu groß für mich ist. Wo möchte ich hin? Wie möchte ich reisen? Bisher weiß ich, dass die Reise mehrere Monate dauern soll. Ich möchte mich dabei frei fühlen, nur für mich allein verantwortlich sein. Diese Gefühle sind mir (leider) sehr fremd. Vielleicht koppel ich hierbei auch zwei oder noch mehr Träume und deshalb ist der eine große Traum gerade so unerreichbar für mich. Vielleicht arbeiten hier zeitgleich mehrere negative Glaubenssätze in mir, die mich davon abhalten, mir diesen großen Traum überhaupt in Details auszumalen. Vielleicht ist einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür gekommen.

Von kleinen Träumen

Ich habe auch einige kleinere Träume, von denen ich ein paar schon erlebt habe. So war ich jahrelang mit Fahrrad und Zelt in Urlaub. Vor ein paar Jahren habe ich mir eine Liegefläche in meinen VW Caddy gebaut und war mit Mina zusammen für 4 Wochen alleine in Süddeutschland unterwegs. Ich wollte immer in einer größeren Stadt wohnen und bin deswegen vor 11 Jahren nach Dortmund gezogen. Außerdem wünschte ich mir einen Balkon, der so richtig gemütich ist, und möglichst einen großen Baum davor hat: check. Ich wollte aus dem Billiglohnsektor raus, wo ich viel zu lange gearbeitet habe. Das habe ich zum Glück geschafft und habe es dann nach ein paar Jahren sogar geschafft, meine Stunden zu reduzieren, mit dem geringeren Gehalt auszukommen und so mehr Zeit für mich zu haben (was für mich einen wichtigen Schritt auf dem Weg raus aus meiner Depression markiert).

Von erfüllten und „gescheiterten“ Träumen

Mein letzter großer Traum war es, Postkarten zu verkaufen. Nach und nach entstand damals die Idee für meinen Onlineshop von Fräuleins wunderbarer Welt, den ich vor einigen Wochen wieder geschlossen habe. Dieser Traum brauchte 3 Jahre, um von meinem ersten Gedanken daran so weit ausgereift zu sein, dass ich mich an die reale Umsetzung machen konnte. (Mein Traum einer langen Reise existiert übrigens noch länger.) Als ich nun den Shop schließen musste, weil ich seit Monaten fast keine Verkäufe mehr hatte, war das natürlich traurig. Aber ich war auch stolz auf mich, dass ich es gewagt habe, diesen Traum umzusetzen. Ich habe es probiert, es hat nicht funktioniert. So kann ich nicht noch weitere Jahre über dieser Idee brüten und mir irgendwann sagen: „Ach, hätte ich doch mal…“.

Als Kind wollte ich unbedingt ein Haustier haben, am allerliebsten einen Hund. Als ich groß genug für eine eigene Wohnung war, zogen erst einmal Meerschweinchen bei mir ein. Als ich es dann dank Stundenreduzierung machbar fand, zog Mina hier ein. Endlich bekam die kleine Frauke ihren Hund! Vom Aussehen und vom Wesen her ist sie genau so, wie ich es mir als Kind ausgemalt habe. Auch hier ging ein großer Traum in Erfüllung.

Die Umsetzung und wie mich Glaubenssätze daran hindern woll(t)en

Gerade die Umsetzung von großen Träumen ist nicht einfach für mich. Zu oft denke ich Sachen wie: „Das ist ein paar Nummern zu groß für dich!“, „Jaja, nimm den Mund nur so voll und wenn du dann scheiterst, hast du es nicht besser verdient!“, „Das wird nie klappen!“, „Was bildest du dir eigentlich ein, dass ausgerechnet du das Anrecht hast, dir einen Traum zu erfüllen? Anderen Leuten geht es doch total schlecht (kein Essen/kein Trinken/kein Geld/kein…), die können sich ihre Träume doch auch nicht erfüllen!“, „Du kannst das nicht!“, „Der und der Traum haben doch auch schon nicht funktioniert. Möchtest du ernsthaft noch mal auf die Fresse fliegen?“. Diese Sätze könnte ich hier noch beliebig weiterführen. Mein negativer Gedankenanteil ist sehr kreativ, wenn es um solche Sätze geht. Aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine, weil so ungefähr jeder solche Sätze zu genüge kennt, oder?!

Diese Art von Sätzen kommt von meinen Glaubenssätzen. Diese sind leider noch zu großen Teilen negativ geprägt, doch ich arbeite immer weiter daran, diese negativen als solche zu erkennen und durch positive zu ersetzen. (Ich habe hier schon einmal ausführlich beschrieben, was Glaubenssätze sind, wie sie lange Zeit mein Leben negativ beeinflussten und was ich getan habe, um mich von ihnen frei zu machen.)

Wenn ich an den Tag zurück denke, als ich meinen Onlineshop beim Gewerbeamt anmelden wollte, wird mir sehr deutlich, wie krass mich Glaubenssätzen an der Umsetzung von gerade großen Träumen hindern wollen. Ich hatte mir einen Montagvormittag dafür vorgenommen. Doch alles in mir drin hinderte mich daran, loszugehen. Die Sätze wurden immer lauter und das Scheitern fühlte sich schon so vorprogrammiert an. Meine Beine wollten partout nicht in Richtung Tür gehen und meine Gedanken drehten sich sehr negativ im Kreis. Irgendwann reichte mir mein innerer Kampf, ich atmete tief durch und zog mir meine Schuhe an. Auf dem Weg zum Gewerbeamt fühlte es sich immer noch etwas falsch an, aber schon etwas besser. Und als ich dann eine Stunde später meine Gewerbeanmeldung in der Tasche hatte, habe ich mich innerlich gefeiert! Die negativen Glaubenssätze, die mich Stunden zuvor noch davon abhalten wollten, waren plötzlich sehr kleinlaut. Und weil man die Feste feiern soll, wie sie fallen, habe ich mich danach strahlend vor Stolz in ein Café gesetzt und mich selbst belohnt!

Bei kleineren Träumen sind meine Glaubenssätze mittlerweile nicht mehr so laut und auch nicht mehr so negativ. Dadurch, dass ich mir regelmäßig kleine Träume (ein Wochenendausflug, eine tolle Wanderung etwas weiter weg, ein Tag am Meer, etc.) erfülle, habe ich es hierbei sehr gut geschafft, positive Glaubenssätze zu verinnerlichen. Das spart zum einen Kraft, weil ich nicht mehr gegen meine inneren Widerstände ankämpfen muss, wenn ich mir doch eigentlich etwas gut tun möchte. Zum anderen fühlt es sich auch viel leichter und besser an und ich kann das Hier&Jetzt viel besser genießen. Ich frage mich nicht mehr ständig, ob ich mir das wirklich verdient habe oder ob das jetzt richtig ist, wenn ich mich freue und mein Leben genieße.

Doch es gibt noch ein paar große Träume, wo ich nicht weiter komme. Einige negative Glaubenssätze kann ich hierbei jeweils benennen und versuche ihnen mit positiven zu begegnen. Doch es gibt noch viele innere Widerstände, die auf tiefere, bisher verborgene Glaubenssätze hindeuten, an die ich noch nicht heran komme.

Außerdem fehlt mir ein gewisses Ur-Vertrauen. In mich, in die Menschheit, in die Welt. Zum Glück habe ich eine gesunde Basis an Ur-Vertrauen, aber gerade wenn es um total ungewohnte Situationen, unbekannte Gegenden, einen fehlenden sicheren Rückzugsraum und evtl. fehlende Unterstützung in Gefahrensituationen geht, werde ich sehr sehr unsicher. Wenn ich z. B. in einem mir unbekannten Wald unterwegs bin und dort niemand ist, kann ich das total gut genießen. Weil ist ja niemand da, der mir was böses wollen könnte. Wenn mir aber ein Mann begegnet und sonst niemand, bekomme ich Angst, vor dem was passieren könnte, weil niemand in der Nähe wäre, um mir evtl. zu helfen. Klar, ich habe Mina dabei, aber könnte sie mir im Zweifelsfall wirklich helfen?! Gegenüber Frauen verspüre ich hier weniger bis keine Ängste. Wenn wir nun meinen großen Traum einer längeren Reise nehmen: dieses fehlende Vertrauen lähmt mich ein Stück weit, mir die Details auszumalen, weil sofort eine große Angst vor einer ähnlichen Situation kommt. Doch das ist nur einer von vielen Punkten, die ich seit längerem versuche auszumachen.

Ich versuche meine Glaubenssätze und meine Ängste bzw. mein fehlendes Vertrauen zu benennen und dahinter zu schauen. Was kann ich gegen diese Sätze und Ängste tun? Sind meine Ängste realistisch? Was wäre das schlimmste, was mir passieren könnte? Was könnte ich in der Situation tun oder auch schon vorab, um eine solche Situation zu vermeiden? Gibt es noch etwas was dahinter steckt? Also z. B. ein Glaubenssatz wie „Du hast dir einen so großen Traum doch gar nicht verdient!“ oder „Du bist ein schlechter Mensch und dir wird nur schlechtes widerfahren!“ oder auch „Ja, mach du nur. Aber dann kommt die Depression mit einem richtig großen Tief um die Ecke und dir wird es so richtig scheiße gehen! Der Teufel scheißt halt auf den größten Haufen!“.

Und so träume ich weiter meine Träume, die kleinen und die großen. Ich arbeite weiter an meinen Glaubenssätzen, an den Ursachen meiner Depression (die hier ja auch einen nicht unwesentlichen Anteil haben). Und natürlich setze ich immer wieder kleine und auch große Träume in die Realität um. Denn sie sind mir wichtig und ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.

In diesem Monat erfülle ich mir übrigens wieder einen großen Traum, den ich mir schon etwa 3 Jahre ausmale. Doch dazu später mehr 🙂

(Jeder hat andere Träume. Manche Menschen haben gar keine Träume. Jeder hat andere Glaubenssätze oder andere Hindernisse auf seinem Weg. Dieser Text spiegelt nur meine Erfahrungen wider und bewertet keine anderen Sicht- oder Lebensweisen.)

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Was für ein schöner Beitrag! Ich werde auf jeden Fall auch mal über meine Träume und vor allem, was mich davon abhält, sie umzusetzen, nachdenken…da sind für mich viele interessante Gedankenanstöße dabei…Danke dafür!
    Ich bin gespannt, wenn du dann über die Umsetzung von deinem Traum schreibst und drücke die Daumen, dass es so klappt, wie du es dir vorstellst!
    Lily

    • Dankeschön für deine lieben Worte 🙂 Es freut mich, dass ich dir ein paar Gedankenanstöße mit auf den Weg geben kann!
      Liebe Grüße, Frauke

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