Für mehr Fahrradurlaube – welche Tipps mir zum Start vor 11 Jahren geholfen hätten – Teil 1

Wisst ihr was? Ich bin ein eingefleischtes Fahrradurlaubs-Mädchen! Ja, man merkt es mir hier gar nicht an.

[Das hat verschiedene Gründe. Der schwerwiegenste davon ist, dass meine kleine Mina Fahrradfahren hasst… Als sie neu bei mir war, habe ich über Monate hinweg versucht, sie in minikleinsten Schritten an einen Fahrradanhänger zu gewöhnen. Doch Pustekuchen. Sie bekommt darin Panik und damit basta. Nix zu machen.]

Frauke als kleines Mädchen und ihr Opa, der die Stützräder am Fahrrad montiert. Fahrradurlaub

Mein Opa und ich. Damals fing es an mit dem Rad und mir.

 

Doch Anfang Mai ergab es sich, dass ich für 3 Tage mit dem Rad im Urlaub war. So wie früher: mit Zelt und Sack und Pack. Herrlichst! Ich war mir am Anfang unsicher, ob ich das alles überhaupt noch kann und ob meine fahrraduntrainierten Muskeln das alles noch so mitmachen. Schließlich fahre ich die letzten Jahre nur noch meinen recht kurzen Arbeitsweg mit dem Rad (dafür bei Wind und Wetter) und hin und wieder schwinge ich mich aufs Mountainbike. Aber so eine richtig lange Radtour mit kompletten Gepäck, die liegt schon 6 Jahre zurück… Aber wisst ihr was? Ich habe meine Sachen gepackt, das Fahrrad beladen, hab mich drauf gesetzt und war in meinem Element. Komplett. Sofort. Ich war im Flow. Und fragt nicht, wie gut das tat!

Auch wenn der nächste Fahrradurlaub nun wieder etwas dauern wird, bin ich total im Fahrradurlaubsfieber. Vor 11 Jahren startete ich ziemlich unbedarft, ohne große Vorkenntnisse oder übermäßige Vorbereitung in meinen ersten Fahrradurlaub. Selbst einen Platten flicken war ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb kam es damals auch, wie es kommen musste: ich hatte innerhalb kürzester Zeit einen Platten… Seit meinen Radurlauben weiß ich erst, wie viele Heftzwecken auf der Straße rumliegen. Bevor ich auf solche unplattbaren Mäntel umgestiegen bin, habe ich nämlich jede einzelne Heftzwecke mit dem Reifen eingesammelt, die man auf jedem x-beliebigen Weg finden konnte. (Und bis heute kann ich problemlos einen Platten bekommen.)

Doch auch meine sonstige Ausrüstung war ziemlich verbesserungsbedürftig. Einmal aus Unwissenheit, aber auch aus Geldmangel. Wenn man das erste Mal in einen Radurlaub startet und den direkt auch mit dem Zelt durchziehen möchte, dann stehen einige Ausgaben ins Haus. Klar, für die nächsten Jahre hat man dann die Ausrüstung stehen. Aber im ersten Jahr kommt da einiges zusammen. Außerdem wusste ich damals ja auch einfach nicht, was wirklich notwendig und nützlich ist bzw. was total überflüssiger Quatsch und unnötiger Ballast auf einer Radtour sind. Ich habe mich einfach mit dem eingedeckt, was mir sinnvoll erschien und was mein sehr beschränkter Geldbeutel hergaben. Ich bin ja doch eher der Typ: „Auf jeden Fall machen, wenn ich es ausprobieren möchte, auch wenn es nicht für die teure Profi-Ausrüstung reicht, und dafür improvisieren und schauen, wie weit ich mit meinem Geld komme!“, als der Typ: „Nö, das ist mir zu minderwertig und außerdem steht hier und dort, dass man diese Ausrüstung von X braucht um möglichst wenig Gewicht und Volumen zu haben. Aber dafür habe ich kein Geld. Deshalb lasse ich es gleich bleiben!“. Das hat mir in meinem Leben schon den ein oder anderen wunderschönen Erinnerungsmoment beschert und mir gezeigt, dass ich einiges erleben kann, egal wie wenig Geld ich zur Verfügung habe.

11 Jahre später bin ich ausrüstungstechnisch einiges erprobter und das trotz der 6 Jahre Fahrradurlaubspause. Aber dank der konsequenten Camping– und Zelturlaube in den letzten Jahren habe ich meine Erfahrungen kontinuierlich weiter ausgebaut. Nach und nach tauschte ich einzelne Gegenstände aus, wenn sie kaputt gingen oder sich doch nicht als sinnvoll erwiesen. Dadurch, dass ich das aber über mehrere Jahre verteilt gemacht habe, konnte ich mir so dann auch etwas teurere Ultraleicht-Ausrüstung leisten, die ordentlich Volumen und Gewicht einspart und dann auch meist noch langlebig ist. Und so halte ich es auch weiterhin: sobald nun etwas kaputt geht, schaue ich bei diesem einen Gegenstand was mein Geldbeutel hergibt, was ich dafür an Ultraleichtem bekomme und kaufe es dann sehr bewusst.

Während ich vor kurzem friedvoll lächelnd und von innen strahlend vor mich hinradelte und die Kilometer unter meinem Fahrrad dahinzogen, wurde mir klar, dass es einige Tipps und Tricks gibt, die ich vor 11 Jahren zum Start meines ersten Fahrradurlaubes schon gerne gewusst hätte. Und, dass Fahrradurlaube einfach das entspannenste (und nebenbei ziemlich umweltschonenste) sind, das es gibt. Der CO2-Ausstoß ist bei. Und die Seele entspannt herrlich durch die gleichmäßige Trettbewegung und die vorbeiziehende Landschaft.

Wenn ihr also zufälligerweise mit dem Gedanken spielt, auch mal einen Radurlaub auszuprobieren, lest ruhig weiter! Alle anderen dürfen natürlich auch gerne weiterlesen, aber der Text wird etwas länger und für alle Nichtinteressierten könnte er auf Dauer etwas öde werden. Doch traut euch noch ein paar Zeilen weiter. Vielleicht springt der Funken zum Fahrradurlaub ja noch über 🙂

Das herrliche am Fahrradurlaub ist, dass man alles dabei hat, was man braucht. Und hierbei sei es einfach vollkommen egal, ob man das mit Zelt macht, so wie ich, oder ob man von Pension/Hotel/sonstige-Unterkunft zu Pension/Hotel/sonstiger-Unterkunft fährt. Selbst wenn man die „Luxusvariante“ bucht, die zwar teurer ist, aber bei der das Gepäck immer von Hotel zu Hotel gebracht wird, ist man tagsüber doch ziemlich frei in allem: im Radeltempo, im Pausenmachen, im Sightseeing, im Gedankenschweifenlassen… Diese Freiheit und die damit einhergehende Unbeschwertheit habe ich (trotz aller körperlichen Anstrengungen, die so ein Urlaub zwangsläufig mit sich bringt) noch nirgends anders in meinem Leben erlebt! In dem ich immer mit Zelt unterwegs war, konnte ich auch die Etappen völlig frei einteilen und wenn es irgendwo besonders schön war oder ich einfach mal einen Ruhetag brauchte, habe ich ganz unkompliziert eine Nacht dran gehängt. Die Leute, mit denen ich bisher auf Radreisen war, hatten ungefähr immer mein Tempo. Ok, seien wir ehrlich: ich war die langsamste, aber in den jeweiligen Konstellationen war das kein Problem. Jeder ist sein Tempo geradelt und an Kreuzungen/Abzweigungen wurde aufeinander gewartet.

Was mich am Radreisen immer sehr beeindruckt, ist diese direkte Er-FAHR-ung der Strecke und der jeweiligen Umgebung. Während im Auto oder Zug die Landschaft vorbei rast und man halt einfach auf Straßen festgelegt ist, komme ich mit dem Rad durch Ortsteile oder fahre über Landstraßen, die ich sonst nicht passiert hätte. Nehmen wir einmal die vor kurzem stattgefundene Radtour. Es ging vom Ruhrgebiet übers Münsterland bis ins Osnabrücker Land. Auf dem Fahrrad fielen mir die kleinen Veränderungen der Architektur, der Felder (Gestaltung, Anordnung, Variantenreichtum) und die Eigenarten der Menschen auf. Ich bemerkte die kleinen ortstypischen Eigenheiten, die schon auf den 220 km sehr facettenreich waren. Als ich auf dem Rückweg im Zug saß, rauschte die Landschaft an mir vorbei und sie sah irgendwie überall gleich aus. Für die 2,5 Tage auf dem Rad, brauchte ich nur 2,5 Stunden mit dem Zug und gefühlt haben sich auf dem Rückweg die Landschaft und die Menschen kilometerweise überhaupt nicht geändert. Selbst bei meinen so gern unternommenen Wanderungen fallen mir diese Kleinigkeiten gar nicht so stark auf, weil ich ja am Tag max. 20 – 25 Kilometer schaffe (auf dem Fahrrad ist das in etwa die Strecke von knapp über einer Stunde) und hier Veränderungen erst nach einigen Tagen sichtbarer werden. Außerdem fehlt mir beim Wandern diese Leichtigkeit des Dahingleitens und des Rollenlassens. Während ich beim Wandern jedes Gramm im Rucksack auf dem Rücken merke, habe ich beim Radeln alles Gepäck am Rad angebracht. Die ersten Kilometer fühlt sich das noch ungewohnt an, doch bei gleichmäßiger und ausgewogener Packweise fährt das Fahrrad sehr stabil und das Gewicht des Gepäcks fällt mir bald schon nicht mehr auf.

Und so kam es nun zu meiner Idee, meine Erfahrungen der letzten 11 Jahre zusammenzunehmen, daraus hilfreiche Anfängertipps abzuleiten und bei euch vielleicht ein klein wenig die Radurlaubsneugierde zu wecken! Da das alles in allem ziemliche viele Tipps sind, die ich euch ordentlich strukturiert zeigen möchte, wird das ein ziemlich langer Text, den ich deshalb in 3 Teile aufteile. Teil 1 bestand heute aus der zugegebenermaßen schon ziemlich langen Einleitung. Teil 2 (alles rund um die Reise) und Teil 3 (Packliste) folgen in den kommenden Tagen. Seid also gespannt 🙂

 

Warum das Radeln meine große Leidenschaft ist, habe ich übrigens hier schon mal beschrieben! Weitere Radfahrbilder von mir und einige Geschichten dazu findet ihr hier und hier.

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