‚Gib Depressionen ein Gesicht‘ – ein Projekt von Dirk Ludwig

Anfang 2016 startete Dirk Ludwig sein Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“. Sein Ziel ist es, mehr Verständnis in der Bevölkerung zu erreichen und die Krankheit mit all ihren verschiedenen Facetten bekannter zu machen.

Los ging es über eine Facebook-Seite, auf der er Texte von betroffenen und nicht-betroffenen Menschen veröffentlicht. Zu jedem Text stellt er ein passendes Foto, das die dahinterliegende Aussage noch mehr verdeutlichen und die Stimmung bildlicher darstellen soll. Hierdurch hat er innerhalb kürzester Zeit viele Menschen erreicht, sodass er die Idee einer eigenen Homepage weiter entwickelte und diese vor kurzem online stellte. Auf dieser Seite könnt ihr übrigens auch meinen Text lesen, der am 12. März 2016 veröffentlicht wurde.

Neben der Homepage gibt es mittlerweile einen Youtube-Kanal auf dem Tagebücher einer fiktiven depressiven Person veröffentlicht werden. In der Selbsthilfe-Gruppe „Gib Depressionen ein Gesicht“ für depressive Menschen sowie Angehörige und Freunde auf Facebook findet ein reger Austausch statt. Sie hat mittlerweile über 600 Mitglieder.

Innerhalb von wenigen Monaten hat Dirk Ludwig hier einiges auf die Beine gestellt! 

Und heute habe ich Dirk Ludwig im Interview um euch sein Projekt und ihn selbst vorzustellen 🙂

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Magst du Dich mit ein paar Worten vorstellen?

Mein Name ist Dirk Ludwig und ich bin seit dreißig Jahren mit meiner Frau verheiratet. Unsere
beiden Töchter sind inzwischen groß und stehen auf eigenen Füßen. Nach wie vor ist die Fotografie lediglich mein Hobby. Vor wenigen Jahren wurde ich durch Burnout aus meiner Tätigkeit im Management
einer Bank herausgerissen. Nun nutze ich meine Zeit als Rentner und versuche mein Hobby – die künstlerische Fotografie – mit einem „gemeinnützigen“ Engagement zu verbinden.

Wann ist die Idee zu Deinem Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ entstanden und wie kam es dazu? 

Die Idee zu dem Projekt selbst hatte ein Model Anfang diesen Jahres, mit
der ich die erste Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe.
Anna I. Ahrens – die schon seit ihrer Kindheit unter Depressionen
leidet – ist unser Gesicht des Projektes, welches überall zu finden
ist.

Zu dem Projekt haben schon einige Menschen ihre Geschichten und/oder
Fotos beigesteuert. Wie viele sind es bisher gewesen? 

Ich schätze inzwischen sind es wohl an die 100 Beiträge, die seit
Projektstart Anfang Februar 2016 veröffentlicht worden sind. Also im
Duchschnitt an jedem Tag ein Beitrag.

Wie sind diese Menschen auf Dich aufmerksam geworden?

Die Kampagne ist bisher allein über Facebook bekannt geworden, da ich
über meine Facebook-Seite 
„dirk-ludwig-fotografie“
bereits eine Menge Follower habe. Darüber hinaus habe ich mein
Projekt über bestehende Facebook-Gruppen zu psychischen Erkrankungen
bekannt gemacht. Und habe BloggerInnen – so wie Dich ja auch –
angeschrieben, ob wir uns nicht gegenseitig vorstellen können. Je
mehr Menschen über das Thema Depressionen berichten, desto eher
bekommen wir diese Krankheit aus der Tabuzone heraus. Daher ist mir
eine Vernetzung sehr wichtig.

Auch bitte ich jedes mal darum, meine Beiträge auf Facebook zu teilen
oder den „Gefällt mir“-Button zu drücken. Dabei geht es mir
nicht darum, möglichst viele Likes für den Beitrag zu bekommen,
sondern es geht darum, das möglichst viele Menschen die Beiträge
über Depressionen sehen. Denn über das Liken und Teilen der
Beiträge, sehen die Freunde der Personen, die den Beitrag angeklickt
haben, auch die Projekt-Veröffentlichungen. So verbreitet sich das
Depressions-Projekt wie ein Schneeballsystem.

Ist irgendwo schon mal über Dein Projekt berichtet worden?

In der aktuellen Ausgabe des MILES!- Magazins (2/2016) – dem Magazin
für seelische Gesundheit und Emotionen – wird das Projekt
ausführlich vorgestellt. Mit dem Magazin ist auch eine regelmäßige
und intensive Zusammenarbeit vereinbart.

Wenn Du die meist sehr persönlichen und berührenden Beiträge
zugeschickt bekommst, wie gehst du damit um? Kannst du genügend
Abstand für dich wahren oder gibt es auch einige Texte, die dich
länger beschäftigen?

Mich erreichen ganz unterschiedlichste Texte. Zum einen sind es Gedichte
zum Thema Depressionen und zum anderen persönliche
Erfahrungsberichte. Die Gedichte sind wunderschön und ich mag sie
sehr. Berührender sind häufig natürlich die persönlichen
Schicksale, Lebensgeschichten, die ich erfahre. Es öffnen sich auch
Menschen, wie z.B. Models, Fotografen oder Digitalartisten, mit denen
ich schon zusammen gearbeitet habe, die ich also persönlich kenne
und bei denen ich nie erwartet hätte, dass sie unter Depressionen
leiden. Aber so ist die Krankheit, die meisten Menschen tragen eine
Maske, dass niemand erkennen kann, dass sie depressiv sind. Doch das
Tragen der Maske kostet ganz viel Kraft. Auf die mir zugeschickten
Beiträge versuche ich mit Empathie einzugehen und trotzdem einen
notwendigen Abstand für mich zu wahren.

Woher holst Du die Inspirationen für deine ausdrucksstarken Fotos?

Ich betreibe die künstlerische Fotografie schon seit 30 Jahren. Es ist also ganz viel
Erfahrung im Spiel.
Wenn
ich fotografiere, dann lasse ich mich meist von der Location und vor
allem vom vorhandenen Licht inspirieren. Ich arrangiere meist dann
spontan, weil für mich Fotografieren das „Malen mit Licht“ ist
und das kann man vorher nicht planen. Auch versuche ich mich auf das
Model einzulassen, in ihre Seele zu schauen, eine Stimmung für das
besondere Foto zu erzeugen.

Bitte beschreib uns deine recht neue Homepage „Gib Depressionen ein Gesicht“.

Ab sofort gibt es auch eine eigene Homepage zu dem Projekt: Ihr findet
sie unter www.gib-depressionen-ein-gesicht.de.
Dort findet Ihr alle bisher veröffentlichten Gedichte, Texte und
Bilder sowie die Spruch-Karten und die Mut-Mach-Karten.

ZIEL des Projektes „Gib Depressionen ein Gesicht“
ist es, DEPRESSIONEN ALS KRANKHEIT bekannter zu machen. MEHR
VERSTÄNDNIS für Betroffene in der Bevölkerung zu erreichen, indem
durch emotionale Bilder und Worte Botschaften transportiert werden,
wie sich ein depressiver Mensch fühlt. BETROFFENEN MUT ZUZUSPRECHEN,
zu Ihrer Krankheit offen zu stehen. Die Krankheit aus der – nach wie
vor teilweise bestehenden – TABUZONE HERAUS ZU BEKOMMEN.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, über die Medien möglichst viel Aufmerksamkeit für das
Thema zu erzielen. Aus diesem Grunde stellen wir den Medien über
unsere Homepage gern aktuelle Presse-Informationen zu dem Projekt
„Gib Depressionen ein Gesicht“ zur Verfügung. Gern können die
emotionalen Bilder und die dazugehörigen Texte verschiedener Autoren
– unter Nennung aller Beteiligten – für die Berichterstattung in
den Medien verwendet werden.

Z.Zt. arbeite ich bei dem Projekt mit ca. 20 verschiedenen Autoren, 10 Digitalartisten und
5 Fotografen zusammen.

Besonders danken möchte ich meinem engsten Team, die mich in dem Projekt „Gib
Depressionen ein Gesicht“ so toll unterstützen. Ohne sie wäre
die bisherige fantastische Entwicklung nicht möglich gewesen. Der
Erfolg des Projektes ist vor allem das Ergebnis eines Teams, die mit Begeisterung und Leidenschaft
und alle ehrenamtlich – für den guten Zweck – zusammenarbeiten.

Stellvertretend für die vielen Unterstützer bei meinem Depressionsprojekt möchte
ich fünf Personen besonders danken.
Zum einen Nadine Wagner, die gemeinsam mit mir die treibende Kraft bei dem Projekt ist. Der
Autorin Asmodina Tear, die speziell für meine Fotos, sehr viele berührende Gedichte schreibt.
Dem Model Anna I. Ahrens, die die Idee zu dem Projekt selbst hatte und mit der ich die erste
Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Der Autorin Lisa M. Lenardi, die
für mich ebenfalls Ideengeberin ist. Und last but not least, dem Dustin Guske, der
die Bildkampagne initiiert hat.

Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten! Dein spannendes Projekt wird sich hoffentlich weiterhin so erfolgreich verbreiten 🙂

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